Fränkische Frauenkleidung

  • Hier geht um die Frauenkleidung der frühmittelalterlichen "Germanen" bzw. der Franken der Merowinger- und Karolingerzeit. Unterschiede zu Sachsen, Alemannen, Bajuwaren u.a. sind höchstens bei Fibeln, Gürteln und sonstigem Schmuck nachvollziehbar.
    In der folgenden Beschreibung wird versucht, die Frauenkleidung der Franken und benachbarter Stämme fürs Larp nachzuvollziehen und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur Kleidung der Wikinger deutlich zu machen.

    Im Verlauf der Merowingerzeit veränderte sich die Frauentracht sehr schnell. Die Modewechsel sind in erster Linie durch die Lage der Fibeln in Gräbern nachvollziehbar. Gut erhaltene Textilfunde gibt es lediglichen aus den einigen Gräbern von merowingischen Königinnen und Äbtissinnen.


    Fürs Larp ist es wahrscheinlich eher unwichtig, ob der Charakter eher der Mode des 5. oder 9. Jahrhunderts folgt. So kann die Larperin vielleicht dem eigenen Geschmack folgen und sich von der Vielfalt der unterschiedlichen und zum Teil unklaren Fundlagen inspirieren lassen.


    Zwei-Fibel-Tracht:

    In der Völkerwanderungszeit trugen die Frauen noch ein schlauchförmigen Kleid (Peplos), das an den Schultern mit Bügelfibeln geschlossen wurde. Diese Tracht war beits in der Römische Kaiserzeit bekannt.

    Im 5. Jahrhundert wird diese Zwei-Fibel-Tracht im gesamten Raum des fränkischen Reiches durch die Vier-Fibel-Tracht ersetzt.


    Vier-Fibel-Tracht:

    Da der Peplos scheinbar aus der Mode kam, verloren die großen Bügelfibel ihre ursprüngliche Aufgabe.

    Die Bügelfibeln dienten nun vermutlich zum Verschluss eines kaftan-ähnlichen Mantelkleides. Entweder wurde dieser Mantel direkt mit den Fibeln im Hüftbereich verschlossen oder aber die Fibel dienten zum Verschluss einer Schärpe, die widerum wie als Gürtelersatz das Mantelkleid verschloss. Mitunter war an den Bügelfibeln ein großes Gehänge mit Gebamsel befestigt.

    Eine Besonderheit im westlichen Frankenreich ist, dass die Frauen statt der Bügelfibeln breite Gürtel ähnlich der Männertracht trugen.

    Verschiedentlich wurde auch zusätzlich zu den Bügelfibeln auch ein Gürtel getragen und das Gehänge mit sehr viel Gebamsel hing am Gürtel (Gürtelgehänge).

    Manchmal liegen die Bügelfibeln jedoch auch im Kniebereich - warum auch immer.

    Zusätzlich werden zu den zwei Bügelfibeln wurden noch zwei Kleinfibeln getragen, die vermutlich Halsausschnitt eines Unterkleides verschließen.

    Da es zu dieser Zeit auch eine auffällige Beinkleidung mit komplexen Strumpfband-Garnituren gab, besteht die Vermutung, dass die Kleider vieeleicht auch nur knielang waren.


    Scheibenfibel-Tracht:

    Bereits um 600 änderte sich die Mode erneut. Es wurde nur noch ein kleine Fibel (Scheibenfibel, Kreuzfibel etc.) im Brustbereich getragen, die vermutlich eine Art Schleier oder Kopftuch verschloss. Darunter wurde wahrscheinlich ein knöchellanges Kleid im Tunika-Schnitt getragen, den Kaftan ersetzte. Diese Tracht blieb in der Karolingerzeit, folgt man den karolingischen Buchmalereien, weitgehend unverändert erhalten.


    Kopfbedeckung und Mantel:

    Kopftuch und Mantel sind schwer zu unterscheiden. Es handelt sich um ein großes Tuch in Form eines Halbkreises oder Rechteckes, das beide Aufgaben erfüllt.



    Besatz:

    Für die Merowingerzeit gibt es Nachweise für den Besatz mit Brettchenborten und Stickerei, vereinzelt auch Stickerei mit Glasperlen oder Goldfäden.

    Die karolingische Buchmalerei zeigt häufig Besätze als Ärmelabschluss, Kleidabschluss und einen mittigen Streifen (Clavi). Die Besätze bestanden bei reicheren Damen vermutlich aus Seidenbrokat.

    Fürs Larp sind sicherlich auch andere Materialen denkbar.


    Fundübericht:


    Grab der Arnegunde, Kirche St. Denis, Großraum Paris

    Datierung: 565 - 570 nach Christus

    • spitz zulaufende Schuhe aus Leder
    • kreuzweise geschnürte Wadenbindengarnitur aus Leder mit zahlreichen Beschlägen
    • bestickte Handstulpen aus Leder (Teil der Handschuhe oder Ärmelabschluss)
    • breiter bestickter Gürtel aus vernähten Leder
    • genähte Strümpfe aus Leinen
    • Unterkleid aus Leinen
    • knielange Übertunika aus violett-blauer Seide
    • Mantelkeid/Kaftan aus rotbrauner Seide mit Goldstickerei am Ärmelabschluss
    • geknoteter Stoffgürtel
    • vermutlich hüftlanger Schleier aus gemusterten Seidensatin, mit zwei Haarnadeln an Schläfen befestigt


    Grab der Bathilde von Chelles, Großraum Paris

    Datierung: 680 nach Christus

    gesellschaftlicher Rang: Königin, später Äbtissin

    • ärmelloser, an den Seiten offener Überwurf aus Leinen mit aufwendiger Seidenstickerei
    • in die Haare eingeflochte Seidenschnüre

    Grab der Bertille/Bertild von Chelles, Großraum Paris

    Datierung: 705 nach Christus

    gesellschaftlicher Rang: Äbtissin

    • sogenannten "Grand Robe"(weitgeschnittenes Mantelkleid bzw. Kaftan mit zahlreichen eingesetzen Geren aus Leinen in Leinwandbindung)
    • Ärmelfragment aus brauner Seide mit eingewebten gelben Streifen und Besatz aus Brettchenborte
    • halbkreisförmiger Mantel aus roter Seide mit gelben Fransenabschluss
    • breiter Gürtel aus Brettchenborte mit extrem bunter Musterung (könnte auch zur Bathilde gehören)

Kommentare 2

  • Anmerkung: In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Guides besser helfen, wenn sie mit Bildern der beschriebenen Trachten untermalt sind.

    Hast du entsprechendes Bildmaterial?

    • Ich selbst habe kein eigenes Bildmaterial zur Frauentracht, kann aber noch ein paar externe Verlinkungen einfügen.


      Speziell zur Frauchentracht der Franken u.a. gibt es extrem unterschiedliche Varianten und noch viele ungeklärte Fragen. Es fällt mir äußerst schwer irgendwelche Binsenweisheiten dazu zu formulieren oder Musterbilder auszuwählen.


      Schaut man sich verschiedene Rekonstruktionen zu den prominenten Königinnen Wisigarde, Arnegunde und Bathilde fällt auch schnell auf wie extrem unterschiedlich sie doch ausfallen, dabei liegen dazwischen nur ein paar Jahrzehnte und die Damen sind verwandt oder verschwägert.