Edda für Eilige

  • Grausam verstümmelte Kurzfassung alter, nordischer Weltvorstellung

    Ausschließlich für den LARPgebrauch des Großen Heeres bestimmt. Vervielfältigung sowie Weitergabe an Dritte verboten.
    Herdur, 31.12.2003

    Die Sage vom Anfang und Ende unserer Welt


    Unermeßlich gähnt der schwarze Abgrund Ginnungagap, und darüber schwebt der

    Weltengeist Fimbultyr.


    Die Riesen und hohen Asen

    Der Weltengeist schuf Ströme, die in den bodenlosen Abgrund flossen und ihn

    schlossen, da sie im Urfrost zu Eis erstarrten. Ihr Eis quoll als nebeliger

    Gletscher Nifelheim über. Im Süden schuf Fimbultyr das Feuermeer Muspelheim.

    Zwischen beiden entstand der Lehmriese Ymir und die Kuh Audhumbla. Ymir

    trank von ihrer Milch und schlief ein. Aus seinem Schweiß entstanden die

    Stammeltern des alten Riesengeschlechtes.

    Durch das Lecken der Audhumbla am Eis entstand Bur. Der zeugte mit der

    Riesin Bestla Odin, Hönir und Loki, die ersten Asen, was bedeutet "Säulen

    der Welt". Diese drei erschlugen Ymir. Das Blut Ymirs bedeckte die Welt mit

    der Sintflut. Nur die Asen sowie der Riese Bergelmir und sein Weib retteten

    sich. Von ihnen stammt das neue Riesengeschlecht, welches unterteilt wird in

    die Thursen (Steinriesen, Lehmriesen, Erdriesen), die Jöten (Eisriesen,

    Reifriesen, Frostriesen, Wasserriesen) und die Wanen (Luftriesen).


    Das Weltenmeer

    Auf dem Grunde des Meeres steht das Korallenschloß des schuppenhäutigen

    Wasserriesen Ägir. Er ist den Asen wohlgesonnen und hat nur manchmal

    schlechte Laune (Sturm). Seine Frau ist die raffende Ran. Sie reißt

    Lebewesen auf den Meeresgrund und versklavt sie. Die neun Töchter von Ägir

    und Ran sind die wilden Wogenmädchen mit üppigen Brüsten und Fischschwänzen.

    Sie reiten auf Schaumrossen übers Meer und spielen mit Schiffen Fangball.


    Midgard

    Die Asen formten Ymirs Fleisch zu Erde, sein Blut zu Meer und Flüssen,

    Knochen zu Bergen, zerstoßene Zähne zu Steinen, Haare zu Bäumen, Hirn zu

    Wolken. Es entstand der mitten im Meer liegende Garten Midgard. Die

    Hirnschale stülpten sie darüber als Himmelsgewölbe und befestigten Funken

    aus Muspelheim daran - die Sterne. Odin zeugte mit der geraubten Riesin

    Nacht den Sohn Tag und verteilte zwischen beiden die Zeit. Odin raubte die

    schöne junge Riesin Sonne und den jungen Riesen Mond. Sie folgt dem Tag und

    er der Nacht. Die Riesen hetzten die Wölfe Wut und Haß auf Sonne und Mond.

    Beide erbleichen wenn sie ihnen nahe kommen (Sonnen- bzw. Mondfinsternis).

    Sonne bedeckte Midgard mit Pflanzen und Tieren. Die Menschen nennen Midgard

    Erde.


    Die Menschen

    Die Asen besuchten Midgard und schnitzten aus einer Esche Mann und aus einer

    Ulme Weib. Odin hauchte ihnen Leben ein, Hönir Verstand, Loki Sprache und

    Sinne. Mann und Weib sind die Stammeltern des Menschengeschlechtes. Nach dem

    Sündenfall der Asen (Wanenschlacht) setzte Heimdall als Riger (Richter) die

    Ständeordnung bei den Menschen ein, in dem er mit einem gehorsamen,

    friedfertigen und plumpen Weib viele vom Stand der Knechte und Mägde, mit

    einem kräftigen, fleißigen und knackigen Weib einige vom Stand der Bauern

    und Freien und mit einem gebildeten, bedachten und zierlichen Weib wenige

    vom Stand der Herrscher zeugte. Alle Menschen besitzen deshalb einen Tropfen

    Asenblut in sich und werden, wenn sie sich würdig erweisen, nach ihrem Tod

    in Walhalla einziehen.


    Die Zwerge

    Aus den im verfaulenden Leib Ymirs herumkriechenden Maden formte Odin die

    kleinen dicken Zwerge. In ihre Mißgestalten hauchte Odin Seelen voller

    Geschicklichkeit und Schönheitssehnsucht. Aus Scham wegen ihrer Häßlichkeit

    wohnen sie in Höhlen im Norden Midgards und stellen dort aus Erz und

    Edelsteinen wundersame Geschmeide und Waffen her.


    Die Alfen

    Alfen sind scheue magiebegabte Wesen unbekannter Herkunft. Manchmal kann man

    ihre schönen schlanken Körper im Mondschein auf Waldlichtungen tanzen sehen.

    Im Morgengrauen finden sich Fäden ihrer Kleider auf dem Gras (betaute

    Spinnweben).


    Yggdrasil

    Mitten in Midgard wächst die gewaltige Weltenesche Yggdrasil. Ihre Blätter

    frißt die Ziege Heidrun. Sie hat in ihrem Euter reichlich Met. Der riesige

    Wildeber Sährimnir wird jeden Abend gebraten und verspeist. Er entsteht

    jeden Morgen neu. Knospen der Weltenesche frißt der Hirsch Eikthyrnir. Wenn

    er sein Geweih schüttelt, dann fällt Regen auf Midgard.


    Die niedere Asen

    Die Asen raubten schöne Riesentöchter. Odin zeugte mit Grid den starken

    Widar, mit Lodny den streitbaren Thor und mit Meer den scharfsichtigen

    Heimdall (Riger). Hönir zeugte mit der goldhaarigen Sif Allgolden den Jäger

    Uller, den mutigen Thyr und die kriegerische Frigga. Odin zeugte mit seiner

    Gemahlin Frigga den freundliche Balder, den musikalischen Bragi und den

    blinden Hödur sowie die liebe Nanna, die zarte Idun und die weise Saga. Thor

    zeugte mit seiner Gattin Sif Allgolden die starken Söhne Modi und Magni und

    die Tochter Thrud. Balder zeugte mit seiner Nanna den Streitschlichter

    Forseti. Loki zeugte mit Sigune die Mißgeschöpfe Hel (kaltherzige Herrin

    des Totenreiches), Jörmungander (die Midgardschlange) und Fenrir (der

    Fenriswolf). Die Schlange wurde von Odin ins Weltenmeer geworfen. Ihre

    Bewegungen verursachen Sturmfluten. Der Wolf wurde unterirdisch

    festgekettet. Sein Atem erzeugt Geysire und sein Geifer Schwefelquellen.


    Asgard

    Die Asen bauten für den Herrscher Odin an der Spitze der Weltenesche aus

    Silber und Gold das Schloß Glanzheim mit der Halle Walhalla, in der alle

    Helden von Walküren verwöhnt werden. Darunter steht Friggas Schloß Fensal

    und davor die Idawiese. Diese und viele andere Gebäude umfaßt die Stadt

    Asgard. Wenn Frigga die Kissen schüttelt, dann fällt Schnee auf Midgard. Von

    Asgard nach Midgard führt die Regenbogenbrücke Bebrast.

    Der Weltengeist Fimbultyr schenkte den Asen die Runenwürfel der

    allumfassenden Weisheit, und sie saßen sorglos auf der Idawiese und spielten

    mit ihnen.


    Die Wanenschlacht

    Da die stolzen südländischen Wanen auch eine so schöne Stadt wie Asgard

    haben wollten, brauchten sie Zugang zum Gold aus Muspelheim. Dies verwehrten

    ihnen die überheblichen Asen. Deshalb überfielen die Wanen die auf der

    Idawiese unbewaffnet spielenden Asen. Die Weltenesche erzitterte. Die

    Schlacht tobte lange und die Eisriesen des Nordens und der König des Feuers

    aus Muspelheim -Surtur- freuten sich über jeden gefallenen Asen. Doch viele

    von ihnen konnten sich mit Hilfe ihrer bewaffnet herbeieilenden Frauen nach

    Glanzheim retten. Schließlich schloß man Frieden und erlaubte den Wanen den

    Zugang zum Gold Surturs. Als Pfand für den Frieden blieb der friedliebende

    Nörd (Njörd), sein Sohn Fro (Froh) und seine Tochter Freya (Frey) in Asgard

    zurück und Hönir ging mit den Wanen. Der heitere Fro ging Alfenheim, wo die

    Alfen ihm im Himmel einen Palast aus Lichtstrahlen bauten. Von dort gießt er

    Freude in die Herzen der Menschen. Die liebreizende Freya schenkt Menschen

    von Asgard aus sinnliche Liebe. Nörds Frau Nerthus zog sich aus Bitterkeit

    auf ihrer Heimatinsel in einen heiligen Hain zurück. Sie kommt nur im

    Frühjahr heraus, um die Flur zu segnen, damit es gesunde Neugeborene und

    gute Ernten gibt.


    Die Erkenntnis

    Nach Friedensschluß versuchten Wanen wie Asen die Weltenesche vom Blut zu

    reinigen, was aber nicht gelang. Außerdem fand man trotz langer Suche keinen

    der Würfel Fimbultyrs wieder. Da wußten die Asen, daß ihr Weltenplan

    gescheitert war. Die drei Nornen Urd (Vergangenheit), Werdandi (Gegenwart)

    und Skuld (Zukunft) erschienen im Inneren Midgards an den Wurzeln der

    Weltenesche und verkünden seither den Untergang der Welt. Und von dieser

    Zeit an nagt der Drache Nidhögger in den Tiefen Nifelheims an den Wurzeln

    der Weltenesche und wird sie dereinst stürzen.


    Die Asen bauten eine uneinnehmbare Mauer um Asgard herum und die Himmelsburg

    an der Regenbogenbrücke mit Heimdall als Wächter. Balder war bei der

    Wanenschlacht woanders gewesen. Deshalb ruhte die Klarheit Fimbultyrs noch

    in ihm. Ihm vertrauten die Asen deshalb ihr kostbarstes Kleinod an, den

    Sonnenwagen.


    Nun folgen lange Geschichten vom Kampf zwischen Asen und Riesen. Sie sollen

    ein anderes Mal erzählt werden...


    Iduns Tod

    Idun hütet die 13 goldenen Äpfel der ewigen Jugend. Eines Tages war Idun

    fort. Alles Suchen war vergeblich. Erst Odins Rabe Hugin fand sie im Reich

    der bleichen ewigen Jungfrau Hel (Totenreich, Hölle). Und obwohl die Asen

    zuletzt Sonne und Mond anboten, gab Hel Idun nicht frei. Da wußten die Asen,

    daß die Götterdämmerung naht. Aber sie beschlossen, kämpfend zu sterben,

    bevor sie altersschwach werden würden.


    Balders Tod

    Baldur träumte nach Iduns Tod von nahem Unglück. Odin fragte darauf die

    Seherin Wala (Wölva), die ihm sagte, daß Balder als erster der Asen sterben

    wird. Um dies zu verhindern, versammelte Odin die allen Dingen

    innnewohnenden Geister und ließ sie schwören, Baldur nicht zu schaden. Um

    dies zu erproben schlugen die Asen auf Baldur ein. Der stand lachend da,

    weil ihm jede Waffe auswich. Der unangenehme Loki hatte mit der Zeit einen

    Haß auf die anderen Asen entwickelt. Er tarnte sich als Bettelweib und

    fragte Frigga aus. Diese erzählte ihm, daß aus Versehen der Ingeist der

    Misteln nicht geschworen hatte. Aus einem gehärteten Mistelstück machte er

    eine Pfeilspitze und ging dann mit Pfeil und Bogen zum blinden Hödur, der

    auch am Spiel mit Baldur teilhaben wollte. Er lenkte die Hände Hödurs und

    ließ diesen den Balder erschießen.

    Nanna brach der Tod Balders das Herz, und beide wurden auf Balders Schiff

    Ringhorn brennend dem Meer übergeben. In dieser Nacht welkten die Blätter

    der Weltenesche. Sitte und Ordnung verschwanden unter den Menschen, Kriege

    brachen aus. Die Wölfe Wut und Haß fressen sich nun auf den Schlachtfeldern

    stark. Wenn sie stark genug sind, dann werden sie zum Himmelsgewölbe

    zurückkehren und Sonne und Mond fressen.


    Lokis Gefangennahme

    Nach langem Suchen fanden die Asen Loki und fesselten ihn an Felsen. Eine

    Schlange Freyas tropft ätzendes Gift in sein Gesicht. Lokis Frau Sigune

    fängt mit einer Schale das Gift auf. Nur wenn sie die Schale ausleeren muß,

    dann trifft der Geifer Lokis Gesicht und er bäumt sich vor Qual auf

    (Erdbeben).


    Wir leben heute in dieser Zeit.


    Götterdämmerung

    Bald wird sich der Adlerriese Räswelg von der Erdunterseite erheben und

    seine Eisschwingen schlagen. Dann werden eisige Nordstürme Mensch und Tier

    erfrieren lassen. Loki und das Ungeheuer Fenris werden an ihren Fesseln

    rütteln. Dies wird der Beginn des Fimbulwinters sein, dem kein Frühling

    folgen wird.

    Am jüngsten Tage werden sich Loki und der Fenriswolf losreißen und die

    Midgardschlange, den Höllenhund Garm und alle Verbrecher aus Hel als Untote

    anführen. Vom Osten her wird der Schwarzmagier Gaukelloki mit allen

    Eisriesen und Steinriesen nahen. Und vom Süden wird König Surtur an der

    Spitze eines Feuerheeres die Wanen besiegen und sich danach auf der Ebene

    Wigrid mit den anderen Heerscharen vereinen, um gegen Asgard zu ziehen.


    Die Endschlacht

    Aus dem Westen reitet Odin ihnen nach Wigrid entgegen. Er führt seine treuen

    Asen sowie Sonne, Mond und allen Helden und Walküren aus Walhalla an. Thor

    rennt in Berserkerwut gegen den Feind an und mäht mit seinem Hammer Malmung

    (Mjölnir) die ihn umgebenden Riesen wie Gras nieder, während Fro mit einem

    wohl gezielten Pfeil König Surtur tötet. Währenddessen wütet die

    Mitgardschlange unter den Walküren. Plötzlich wirft sie sich auf Thor.

    Dieser wehrt sich tapfer und schlägt ihr nach langem Kampf den Schädel ein.

    Doch dann stirbt er an ihrem Gift.

    Dies gibt den gelichteten Reihen der Riesen neuen Mut und sie stürmen wieder

    vor. Die Flammenschwerter der Feuerwesen Surturs fressen tiefe Lücken in die

    Reihen der Helden Walhallas. Der Wolf Wut verschlingt die Sonne, und der

    Wolf Haß den Mond. In der einsetzenden Finsternis beißt der Höllenhund dem

    Thyr die Kehle durch, aber dieser schlitzt ihm noch im Sterben den Unterleib

    auf. Ein Riese zerschmettert mit einer Keule Uller den Schädel. Seine Frau

    Skadi wirft sich weinend über ihn. Dies nutzt Loki aus und haut ihr den

    Nacken durch. Heimdall greift Loki an. Nach langem Zweikampf verbluten beide

    an ihren Wunden. Der geifernde Rachen des Fenriswolfes trieft vom Blut der

    letzten Helden Walhallas. Odin schleudert seinen Speer Gungnir gegen ihn,

    aber dieser zersplittert am Schädel des Fenriswolfes. Da reißt das riesige

    Untier seinen abgrundtiefen Rachen auf und verschlingt Odin. Ein

    Freudengeheul entsteht unter den Riesen.

    Doch nun kommt Widar heran. Er trägt am rechten Fuß einen Schuh, der in 1000

    Jahren aus den milden Gaben für notleidende Menschen gemacht wurde. Diesen

    Schuh tritt er in den klaffenden Schlund des Fenriswolfes, der daran fast

    erstickt. Widar reißt ihm den Kiefer entzwei. Noch kurze Zeit wogt der

    Kampf, dann stehen nur noch Widar und Wali, Modi und Mangi auf dem

    Schlachtfeld.

    In diesem Moment bricht die brennende Weltenesche zusammen und Asgard stürzt

    vom Himmel. Die letzten Asen werden in den Tod gerissen und Feuer frißt

    alles auf.


    Dann gähnt wieder der unermeßliche schwarze Abgrund Ginnungagap, und darüber

    schwebt der Weltengeist Fimbultyr.

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