1 Das nordische Ceridentum
Ceridentum in Norrelag und dem großen Heer
1.1 Warum Ceridentum und warum ein eigenes?
Für den Wechsel sprechen mehrere Gründe. Zum einen stieg in den letzten Jahren
kritisches Feedback an, das bemängelt, dass eine Realreligion von uns bespielt wird. Dieses
Feedback kommt sowohl von außen, z.B. aus dem Pilgerlager, als auch von innerhalb der
Heeresspieler*innen. Zum anderen spricht dafür, dass damit deutlich bessere
Anknüpfpunkte an andere Lager und lagerübergreifende Plotelemente möglich sind.
Ebenso vereinfacht es Konfliktspiel, da auf Grund der IT-Religion niemand sich in seiner
eigenen Religion herabgewürdigt fühlen muss und Konflikte daher klar IT-Konflikte sind.
Für ein eigenes, nordisches Ceridentum, statt dem üblichen eher "hochmittelalterlichen”
Ceridentum sprechen ebenfalls mehrere Gründe.
Zum einen soll das nordische Ceridentum deutlicher auf die Bedürfnisse des GH und des
Norrelags geprägt sein. Elemente wie Ritterorden oder Klosterorden sind darin nicht
enthalten oder nur aus den Südländern bekannt.
Zum Anderen soll es weniger klar kodifiziert sein und ein höheres Maß an Synkretismus
ermöglichen, sodass zum Teil alte Bräuche und Gewohnheiten im nordischen Ceridentum
aufgehen können.
Das Konzept soll stetig weiterentwickelt und ergänzt werden, gerade mit Hinblick auf
Brauchtum und Mythen um den Heiligen Sigvard.
Ziel ist eingläubiges Religionsspiel mit einer Larp-Religion zu schaffen, Plot und Spiel zu
generieren, sowohl intern als auch extern und die Verzahnung anderer Ceridischer
Spielergruppen mit dem Norrelag und dem großen Heer.
Dieses Dokument dient als Anreiz und Leitlinie für Spieler*innen, die einen eingläubigen
Charakter mit nordischem Hintergrund bespielen wollen und dabei keine reale Religion
bespielen wollen. Es ist in Zusammenarbeit mehrer Eingläubigenspieler aus
unterschiedlichen Spielergruppen und in Abstimmung mit der NORGA entstanden.
Feedback ist absolut erwünscht, sowie auch Ideen zur Weiterentwicklung.
Wendet euch dazu gerne an:
Nina / Ida
Clemens / Rune Stigvandir
Tobi / Halfdan Thorbiarnarson
Lukas / Erlend
Wir hoffen euch wertvollen Input und neue Spielansätze zu geben.
1.2
Grundpfeiler des Ceridentums nordischer Prägung
1.3 Allgemeine Ceridische Glaubensinhalte
1.4
Von der Schöpfung und ihrem Fall
Der Eine erschuf die Menschen und die Welt. Als Beschützer und Bewahrer seiner
Schöpfung erschuf er die Gotteskinder. Nach vollbrachtem Werk überließ der Eine seine
Schöpfung den Gotteskindern. Er schuf diese dienstbaren Wesen, um die Sonne über den
Himmel zu leiten, den Regen zu bringen und die Früchte des Feldes wachsen zu lassen.
Bozephalus, eines der Gotteskinder, sollte den Menschen die Weisheit lehren. Er lehrte zu
Anfang den Menschen die Jagd, das Feuermachen, den Ackerbau, die Schrift und die
Kräuterkunde. So schufen die Menschen damit eine gottgefällige Kultur und begannen, über
sich hinauszuwachsen. Denn es ist den Menschen eigen, Neues zu schaffen, darin sind sie
das Abbild ihres Schöpfers. Bozephalus aber sah, dass ihn seine Schüler eines Tages
überflügeln würden, und wurde neidisch. Am liebsten würde er die Menschen wieder dumm
machen, aber dies hätte seiner Natur als Lehrmeister wiedersprochen. Also begann er die
Menschen die schlechten Dinge zu lehren: Er lehrte sie die Lüge, den Verrat, die List, die
Heimtücke und schließlich gar die Magie. Für diese Gaben war der Mensch aber noch nicht
reif genug, und Krieg und Chaos überzogen die Welt. Die anderen Gotteskinder, welche
beharrlich die Schöpfung behüteten, stiftete der Irrlehrer an, sich selbst zu Göttern
emporzuschwingen und sich von den schwachen Menschen anbeten zu lassen.
1.5 Entstehung des Ceridentums
Das Ceridentum in seiner heutigen Form wurde vor gut 1000 Jahren vor unserer bespielten
Zeit durch den heiligen Kontrakt zwischen dem Helden Ceridon und dem einen, unteilbaren
Schöpfergott, dem Einen begründet. Damals stand die Welt kurz vor ihrem Ende.
Zu viele Wesen hatten das Gute verraten und waren den Verführungen des Bösen erlegen.
Doch statt die Welt aufzugeben, gewährte der Eine seinem treuesten Geschöpf und
Propheten, dem Menschen Ceridon, eine Frist, die Welt wieder zum Guten zu bekehren.
Ceridon folgten durch die Jahrhunderte sieben weitere Propheten mit jeweils sechs engen
Gefolgsleuten.
Die Propheten erinnerten die Wesen dieser Welt an den heiligen Kontrakt mit dem Schöpfer
und begründeten eine starke Glaubensgemeinschaft des Lichts, um allzeit das Böse zu
bekämpfen, das Gute zu mehren und die heilige Schöpfung des Einen zu beschützen.
Der achte und letzte der Propheten war Hilarius, der vor gut 100 Jahren den Glauben durch
seine Lehren und die „Sieben Manifeste“ erneuerte und das Kommen der Endzeit
ankündigte.
1.6 Hilarius
Vor über hundert Jahren wirkte in Lyrien und Friedland der Prophet Hilarius. Er hatte in einer
göttlichen Vision den Willen des Einen geschaut: Die Kirche sollte erneuert werden, die
Ceridenheit mußte wieder zu den alten Werten zurückfinden. Hilarius ist der achte und letzte
Prophet. In nur wenigen Jahren sammelte der charismatische Hilarius sechs Jünger um
sich, darunter auch hohe Vertreter der alten Geistlichkeit. So konnten die Kirche fast
vollständig reformiert werden. Hilarius brachte den Menschen die sieben Manifeste des
wahren Glaubens, die seitdem die verbindliche Grundlage für jeden Ceriden sind. Ceridon
und Hilarius sind in der ceridischen Religion gleichberechtigte Größen. Allerdings erfreut
sich die Verehrung des letzten Propheten inzwischen größerer Beliebtheit, da die Zeit seines
Wirkens den heutigen Menschen näher ist
1.7 Die Endzeit
In der nahen Zukunft wird es zum entscheidenden Kampf zwischen Licht und Finsternis
kommen. Gelingt es den Wesen dieser Welt, das Böse niederzuringen, ist der heilige
Kontrakt erfüllt und die Welt gerettet.
Obsiegt das Böse, wird es keine Welt mehr geben.
Ein Ceride glaubt an den Kampf der guten Mächte der Schöpfung gegen das verderbende
Böse, manifestiert in Bozephalus und seinen Kreaturen. Dieser Kampf wird erst in der
Endzeit enden, wenn der heilige Kontrakt erfüllt wird, oder die Welt untergeht.
1.8 Bozephalus
Bozephalus war einst ein Gotteskind und sollte den Sterblichen als Lehrer dienen. Aus
Missgunst lehrte er bald Haß, Gier, Krieg und Zerstörungslust. Und er lehrte die Sterblichen,
unreif wie sie bis heute sind, eine sehr große und sehr verführerische Kunst: Die Magie.
1.9 Gotteskinder - Engel oder Mahre
Ein Ceride glaubt an den Einen und die Existenz von himmlischen Wesen. Bekannt als
Gotteskinder oder Engel, wirken diese himmlischen Wesen sichtbar und unsichtbar im
Auftrag des Einen für das Gute.
Manche der Gotteskinder ließen sich von ihren Bruder Bozephalus anstiften den Einen zu
verraten, forderten Anbetung von den Menschen und säten wie Bozephalus Zweitracht unter
den Menschen und schadeten ihnen auf alle erdenklicehn Wiesen. In den nordischen
Ländern sind sie unter vielen Gestalten bekannt und werden meist als Mahre bezeichnet.
1.10 Magie, Seidr und Galdr
Ceriden glauben daran, dass Magie, also auch Seidr und Galdr existieren, lehnen diese aber
klar ab. Magie muss gemieden werden und wird von der Kirche nicht toleriert, teils sogar
verfolgt. Magisches ist durch Bozephalus an die Menschen gekommen und sät seither
Chaos und Zerstörung.
1.11 Jenseits und Wiedergeburt
Im Laufe seines Lebens tut jedes vernunftbegabte Wesen Gutes und Schlechtes. Am Ende
eines Lebens werden durch den Einen, Gutes und Schlechtes gegeneinander aufgewogen.
Gute Taten werden durch schlechte Taten aufgezehrt, doch auch schlechte Taten werden
durch gute Taten geheilt.
Bleibt die Waage ausgeglichen, wird der Tote wiedergeboren.
Zeigt die Waage ein Übermaß an Schlechtigkeit, stürzt der Tote in das kalte Nichts und ist
für die Schöpfung verloren.
Zeigt die Waage ein gutes Leben an, wird der Tote in die himmlischen Auen eingeladen, die
die Welt zeigen, wie sie dereinst sein kann, wenn das Böse in der Endzeit besiegt wird.
In den himmlischen Auen kann der Tote ein glückliches Leben ohne Leid und Not führen, bis
er sich entschließt, wiedergeboren zu werden, um den Kampf gegen das Böse fortzusetzen.
Ein Toter, der die himmlischen Auen gesehen hat und diese freiwillig verlässt, um auf der
geschundenen Welt das Böse zu bekämpfen, wird oft zum Lohn und als Verpflichtung in
einen höheren Stand wiedergeboren.
Daraus leiten sich in Friedland und den Mittellanden die Rechtmäßigkeit des Adels und der
Stände und ihre besondere Anerkennung durch das Volk ab.
1.12 Heiligenverehrung
Ceriden verehren zahlreiche Heilige, Selige und Märtyrer als Vorbilder und Nothelfer.
Gegenstände aus dem Besitz von Heiligen und körperliche Reliquien tragen meist einen
Abglanz des Heiligen und eine Spur der Verheißung der himmlischen Auen. Es gibt
zahlreiche Beispiele von Heilungen und Wundern aller Art, die der großen Kraft von
Reliquien zuzuschreiben sind. Ein Ceride hütet daher Reliquien als heilige Schätze, während
die Mächte des Bösen nach ihrer Zerstörung trachten.
Mehr Infos zu den Heiligen und Seligen findet ihr unten.
1.13 Die 7 Manifeste im nordischen Ceridentum
Der Glauben lässt sich kurz mit den sieben Manifesten des heiligen Hilarius
zusammenfassen, im nordischen Ceridentum wurden sie leicht abgewandelt um besser ins
Setting zu passen:
● 1. Das erste Manifest über den Einen: Gebe Deinem Gott keinen Namen, denn Er ist
der Einzige und Wahre.
● 2. Das zweite Manifest über das Rechte: Scheide das Gute vom Bösen, gib kein
falsches Zeugnis ab, bewahre die Ehre und meide die Mahre und deren
Versuchungen.
● 3. Das dritte Manifest über das Seidwerk: Meide Seidr und Galdr, denn sie schadet
der Ordnung und ist das Werk des Bozephalus und seiner Diener.
● 4. Das vierte Manifest über die Mission: Helfe anderen den wahren Glauben zu
erkennen, damit auch sie die Weisheit des einen Gottes sehen und sein Werk tun.
● 5. Das fünfte Manifest über den Schutz: Beschütze die dir Treuen, so wie auch der
Eine Dich beschützt, der Herr hat stets auch Pflichten seinem Gefolge gegenüber.
● 6. Das sechste Manifest über den Gehorsam: Gehorche deinem Herren und erfülle
deine Eide, wie Du dem Einen gehorchen musst, denn Er ist der Herr der Herren.
● 7. Das siebte Manifest über den Richter: Erstrebe die Gunst des Einen, denn Er ist
der ewige Richter über Leben und Jenseits.
1.14 Priester im Ceridentum
Südlich des Danewerks erhalten Priester ihre Ausbildung meist in einem der zahlreichen
Klöster und empfangen ihre Weihe von einem Bischof. Geweihte Priester können ihrerseits
z.B. Weihwasser oder Heiligenbildchen weihen. Ceridische Priester kennen keinen Zölibat.
Allerdings wird von jedem Priester ein vorbildlicher Lebenswandel und absolute Hingabe
zum Guten erwartet. Im Norden werden Messen auch oft durch Laien gehalten.
1.15 Sünde, Wägung und Buße
Nach ceridischer Glaubenslehre ist alles Handeln und Denken Sünde, was gegen die
Sieben Manifeste verstößt, welche die verbindliche Richtlinie für jeden Gläubigen sind.
Die Manifeste behandeln aber weniger Sünde der Menschen gegeneinander, sondern
vielmehr die Verfehlung des Menschen dem Einen gegenüber. Natürlich kann auch jede
Sünde unter Menschen als Sünde gegen den Einen interpretiert werden.
Im Ceridentum gibt es keine Sündenvergebung.. Der Eyne wird mit seiner Seelenwaage die
guten und die schlechten Taten einer Seele gegeneinander aufwiegen. Schlechte Taten
können also nur durch gute Taten vor dem Richterstuhl des Einen wieder ausgeglichen
werden
Ein Ausgleich der Schuld kann durch verschiedene Dinge erreicht werden, Gebete für
andere, Armenspeisung, Pilgerfahrten, Spenden an die Kirche
1.16 Das Tragen der Bürde
Im Ceridischen Glauben kann nach dem Beichten der Sünden und der Wägung dem Büßer
eine besondere Ehre zuteil werden, “Das Tragen der Bürde”. Dabei übernimmt der Priester
die Sünden des Büßers und befreit ihn von der Last dieser Sünden. Die Seelenwaage des
Priesters kippt also deutlich zum Schlechten, während der Sünder von ihrer Last befreit ist.
Nun obliegt es dem Priester, durch gute Taten die eigene Seelenwage wiedergeradezurücken.
Das Tragen der Bürde stellt eine Ausnahme dar und keinesfalls die Regel.
1.17 Die Bekehrung des Nordens und das Wirken des Hl. Sigvard
1.18 Der Heilige Sigvard
Woher Sigvard stammt, lässt sich nicht mehr klären, es gibt zwei bekannte Geschichten, die
sich mit seiner Herkunft befassen.
Der einen nach war er ein Mönch, der im Gefolge eines Bischofes in den Norden reiste und
beschloss zu bleiben, um das Wort des Einen zu verbreiten. Sein Name war südländisch
und wurde, da er zu fremd klang, skandinavisiert zu Sigvard. Er ließ sich nieder und reiste
predigend von Hof zu Hof.
Der anderen Geschichte nach war Sigvard ein Bauer aus dem Hordafjord, der durch einen
Zufall vom Einen und dem Wirken des Hilarius hörte. Da seine Frau ihm bereits drei Mal
keinen lebenden Nachwuchs zur Welt gebracht hatte, zweifelte er am Glauben an die alten
Götter. Er versprach sein Wirken dem Einen zu widmen, wenn seine Frau ihm nur ein
lebendiges Kind zur Welt brachte. Der Eine erhörte sein Klagen und so brachte Sigvards
Frau eine lebendige Tochter zur Welt, doch Sigvard vergaß seinen Handel mit dem Eynen.
Es vergingen Jahre und der einst junge Sigvard war grau und kahl geworden. Seine Tochter
war mittlerweile verheiratet, aber brachte kein lebendes Kind zur Welt. Da erinnerte sich
Sigvard seines Versprechens und machte sich auf, vom Einen zu predigen, um seiner
Tochter Willen.
Einigkeit besteht indes, dass Sigvard ein Mann von großem Wuchs war und während seines
Wirkens bereits kahl und grau geworden war.
Sein Wirken und Predigen fand in ganz Norwegen statt, umfasste aber vor allem mehrere
Kaupangr, also Handelszentren Norwegens. Daher leitet sich die Bezeichnung
Kaupangr-Ceridentum ab.
Die Kaupangr dienten als Keimzellen, von denen aus sich das Ceridentum zu den einzelnen
Höfen in die Tiefe des Landes hinein verbreitete.
Ganz besonders wirkte der Heilige in der Gegend um den Hordafjord und in Rogaland.
Dort in Rogaland erlitt er auch sein Martyrium, was letztendlich notwendig war, um dereinst
ein Heiliger zu werden.
1.19 Das Martyrium des Hl. Sigvard
Einst reiste Sigvard predigend durch Rogaland und kam an den Hof eines Jarls, er
berichtete vom Eynen und seinem Wirken, predigte von der Welt und dem Untergang dieser.
Dieser Jarl war Ragnvaldr, Sohn des Ingvarr. Ragnvaldr hegte Groll gegen Sigvard, denn er
hielt inbrünstig die Treue zu den alten Göttern und opferte diesen viel.
Sigvard forderte Ragnvaldr zu einem Streit heraus, einem Flything ähnlich. Nicht um
Ragnvaldr zu schmähen, sondern ihn zu bekehren, wie auch Hilarius der Prophet einst
seinen damaligen Gegner und Ankläger Cadorus bekehrte und zum wahren Glauben
hinführte.
Doch Sigvard rechnete nicht mit dem Zorn des Jarls, voll Gram von Sigvard gedemütigt
worden zu sein, ließ dieser Sigvard festsetzen.
Tagelang grollte Ragnvaldr und ließ Sigvard an einen Pfahl gebunden vor dem Langhaus
vorführen. Täglich umkreiste er ihn wie ein toller Hund, schmähte ihn und setzte ihm mit
Schlägen zu und ritzte die Haut des Heiligen.
Doch der Heilige brachte kein Wort der Entschuldigung, keine Bitte des Verzeihens hervor,
sondern ließ dieses Martyrium über sich ergehen.
Stattdessen forderte er den Jarl heraus, ihm eine Chance zu geben, den Jarl vom Tun des
Einen zu überzeugen. Ein Gottesurteil sollte entscheiden, ob denn der Eyne oder die alten
Götter machtvoll sind in Ragnvaldrs Ländereien.
Ragnvaldrs Wut steigerte sich wegen dieser Forderung so sehr, dass er Sigvard die
Knochen brechen ließ und entschied, ihn im Wald auszusetzen unter einer Heiligen Eiche
und ihn an diese zu binden.
Er ließ verlauten solle Sigvard es schaffen zu Ragnvaldrs Halle zu kommen und Gastrecht
zu erbitten, er ihm jenes gewähren werde und als Gastgeschenk den alten Göttern
abschwören und dem Weg des Eynen folgen werde.
Jeden Tag suchte Ragnvaldr Sigvard unter der Eiche auf und verhöhnte ihn, bis zum 8. Tage
hin, in der Nacht davor hörte man die Wölfe heulen, am Morgen des 8. Tages fand man
Sigvard Tod, von Tieren zerfetzt.
Und so wähnte sich Ragnvaldr den Sieg davongetragen zu haben und ließ die Knochen des
Heiligen in die Äste des Baumes hängen.
1.20 Die Heimsuchungen des Heiligen Sigvards
Acht Tage vergingen seit Sigvards Tod an der Eiche, da träumte Ragnvaldr einen unruhigen
Traum. Sigvard erschien ihm in dieser Nacht und bat ihn um Gastrecht in Ragnvaldrs
Träumen. Der Jarl schlief unruhig, fürchtete, eine Fylgja würde ihn heimsuchen und
gewährte Sigvard das Gastrecht in seinen Träumen.
Immer wieder kommt es dazu, dass Ragnvaldr von Sigvard heimgesucht wird, Sigvard
unterhält sich mit ihm im Traum und berät ihn bei so manchen Dingen, in Politik,
Rechtsprechung, darin aufrichtige Taten zu tun und vielen anderen Dingen.
Jahre vergingen und Ragnvaldr zog Nutzen aus den Worten des Heiligen und merkte immer
mehr, dass die alten Götter ihm keinen Rat schenkten und aus dem heiligen Hain nur Stille
zu vernehmen war.
Nach 8 Jahren, so die Legende, sprach Ragnvaldr das Gastrecht in seiner Halle aus und
ließ die Knochen Sigvards von der Eiche nehmen und sie in der Halle aufbahren, seinen
Schädel als Zeichen der Ehrung gekränzt mit Eichenlaub.
An diesem Tag bekannte sich Ragnvaldr zum Einen und gründete die erste ceridische
Gemeinde in Skandinavien.
Viele der Ratschläge Sigvards sind im Volksmund bekannt und verbreiteten sich, wurden
Lehren für Gläubige und verbreiteten sich teilweise bis südlich des Danewerks.
1.21 Feste und Feiertage im nordischen Ceridentum
1.22 Erleuchtungsfeier
Erleuchtet werden können prinzipiell nur Erwachsene, da das Verständnis der wesentlichen
Glaubensinhalte Voraussetzung dafür ist. Bei Ceriden, die mit dieser Religion aufwachsen,
erfolgt die Erleuchtung meist im Jugendalter. Kindstaufen gibt es aber nicht.
Das Erleuchtungsritual wird dann begangen, wenn der Priester erkennt, dass der junge
Gläubige bereit dafür ist.
Üblicherweise legt der zu Erleuchtende ein einfaches weißes, ungegürtetes Leinengewand
an und erinnert so an Hilarius bei dessen Erleuchtung.
Der zu Erleuchtende verbringt einige Zeit in abgeschiedener Meditation.
Der Priester zitiert feierlich die Geschichte von der Erleuchtung Hilarii.
Es wird dem zu erleuchtenden eine Schale mit Wasser bereitgestellt. Der Gläubige wäscht
seine Hände und sein Gesicht mit dem Wasser, um Zweifel und Makel seines alten Lebens
abzuwaschen. Der zu erleuchtende nimmt nun eine Kerze und entzündet diese an der
Feuerschale des Priesters, um zu symbolisieren, dass die Erleuchtung des Glaubens auf
den neuen Gläubigen übergreift.
Häufig bittet der Priester den Gläubigen darum den neuen Glauben vor Zeugen zu
beschwören:
Priester: “Versagst du dich dem Bozephalus?”
Täufling: “Ich schwöre ihm ab.”
Priester: "Und entsagst du aller Gefolgschaft ihm gegenüber?”
Täufling: "Ich schwöre aller Gefolgschaft an ihm ab.
Priester: “und all seinen Werken?”
Das nordische Ceridentum - Version 1.2 7
Täufling: “und ich schwöre dem Seidr und Galdr ab und will keine Opfer ihm oder seinem
Gefolge machen”
Priester: “Glaubst du an den Einen, den Schöpfer und den Richter im Jenseits?”
Täufling: “Ich glaube an den einen Schöpfergott”
Priester: "Und glaubst du an die Heiligen und ihr wirken?”
Täufling: “ich glaube an die Werke des Einen durch sie”
Priester: “und glaubst du an das ewige Leben in den himmlischen Auen”
Täufling: “ich glaube daran und erstrebe es”
Der Priester verkündet “er ist bekehrt”
Dann wird ein gemeinsames Gebet gesprochen, und die älteren Verwandten und Freunde
beschenken den Erleuchteten mit kleinen, persönlichen Gaben.
Damit entlassen sie symbolisch den Erleuchteten aus der religiösen Unmündigkeit.
1.23 Mastfest und Schlachtfest des Hl. Sigvard
Der Hl. Sigvard wird als “Bekehrer des Nordens” angesehen und wird vor gerade in
Norwegen als wichtiger Schutzheiliger und Märtyrer verehrt.
Er fungiert als Patron der Schweinehirten, des Viehs und des Schlachtfests.
Sein Symbol sind Eicheln und Bucheckern und verweist auf die Eichelmast der Schweine
und auf das Martyrium des Heiligen an der Eiche.
Zur Eichelmast wird ein großes Fest gefeiert, bei dem die Schweine in den Wald getrieben
werden. Kinder wie Erwachsene werden dazu angehalten, mit Stöcken in die Baumkronen
zu werfen, um möglichst viele Eicheln von den Bäumen zu holen.
Häufig wird nicht nur das Mastfest dem Hl. Sigvard geweiht, sondern auch wenn es zur
Schlachtung kommt, ist ein Schlachtfest dem Heiligen geweiht. Bei diesem wird häufig ein
Teller mit Fleisch des geschlachteten Tieres in den Wald gebracht und unter einer Eiche
dem Heiligen dargebracht. Der Meinung der meisten Priester nach ein Relikt längst
vergessener Götzenverehrung.
1.24 Das Winterfest
Das Winterfest ist eigentlich ein alter, heidnischer Brauch, der schon immer im Norden
gefeiert wurde. Auch südlich des Danewerks war der Brauch bekannt und wurde schließlich
ceridisiert. Man feiert vor allem in der ländlichen Bevölkerung in wilden Riten die Austreibung
der bösen Geister des Winters, die in bunten Schauspielen dargestellt wird. An diesem Tag
vergnügt man sich in ekstatischen Tänzen zu lauter Musik und heftigem Geschepper,
welches schließlich die Geister vertreiben und den Frühling herbeirufen soll.
1.25 Liturgie im nordischen Ceridentum
1.26 Gebetshaltung
Die sehende Hand - Daumen und Zeigefinger beider Hände werden in Form eines Auges
vor der Brust zusammengelegt.
1.27 Segenshaltung
Entgegen der Lyrisch Ceridischen Prägung wird im Nordischen Ceridentum vom Priester
keine Augenform nachgezeichnet, stattdessen streckt der Priester beide Arme aus und
nimmt symbolisch die Form eines Kreuzes an
1.28 Verbindungsband
Ein Band, Länge ca. 80cm, wird besonders bei adeligen Vermählungen symbolisch
verwendet, um die Hände der Eheschließenden zu verbinden. Das Band wird bei der
Hochzeitszeremonie vernäht und besteht aus jeweils einem band der Brautfamilie und
einem Band der Bräutigamfamilie. Bei dem Tod eines Ehepartners oder Auflösung der Ehe
wird das Band getrennt.
Häufig wird versucht den Akt der Ceridischen Vermählung mit den Traditionellen
Vermählungsformen Skandinaviens zu verbinden.
1.29 Symbole des nordischen Ceridentums
1.30 Das Augenkreuz und das Auge
Das Augenkreuz ist das zentrale Element des Ceridentums. Das Kreuz erinnert an den
Schatten des Propheten Hilarius bei seiner Erleuchtung, das Auge ist das Symbol des
Sehens und Erkennens für die Macht des Einen.
Häufig wird in Skandinavien das Augenkreuz nur benutzt, um religiöse Stätten zu
schmücken oder als Symbol auf klerikalen Gegenständen.
In Schmuck und auf anderen Besitztümern der einfachen Gläubigen findet man sie nur sehr
selten, meist begnügen sich die Gläubigen mit Kreuzen ohne Abbildung des Auges. Das
Auge wird meist von Priestern des Eynen verwendet.
Auf dem Epic Empires sind im Norrelag explizit keine Kreuze mit der Abbildung einer
Christusfigur erwünscht! Bitte tragt diese nicht im Norrelag, auch wenn sie Historische
Repliken sind!
1.31 Die Waage
Symbol, das darauf hinweist, dass am Ende des Lebens vom einen die guten gegen die
bösen Taten des Verstorbenen abgewogen werden. Und der Eine über den Verstorbenen
richten wird.
1.32 Ceridischer Gruß
Unter Ceriden im Norden setzt sich langsam der Ceridische Gruß aus den Südlanden durch,
A: Er weilet unter uns
B: Zu allen Zeiten
1.33 Regionale Eigenarten im nordischen Ceridentum
1.34 Das nordische Ceridentum skandinavischer Prägung -Kaupanger-Ceriden
Im Gegensatz zum Ceridentum der Mittellande wird es in der Kaupanger-Prägung eher
abgelehnt, Heiligenbildchen zu verehren oder diese zu besitzen, obschon die Geschichten
der Heiligen sich durchaus großer Beliebtheit erfreuen und sie mehr und mehr
bekanntheitsgrad erhalten. Die Verehrung des Einen ist in Skandinavien noch rudimentärer
und weniger kanonisch. Zwar gibt es in einzelnen Handelszentren erste kleine Gotteshäuser,
häufig werden die Gottesdienste aber unter freiem Himmel oder wie zu alten Zeiten im Wald
gefeiert. Priester sind selten im Norden und häufig werden die Gottesdienste von Laien
geleitet, die die aufkommenden Gemeinden am Leben halten und neue Gläubige zu
gewinnen.
1.35 Das nordische Ceridentum östlicher Prägung - Kyiwiansiche-Ceriden
Der Glanz und die Glorie der östlichen Reiche und des Gardarike hat seither großen
EInfluss auf das Kyiwianische Ceridentum. Das schlägt sich deutlich in der Verehrung des
Einen wieder, strotzen doch die Kirchen in den großen Städten in goldenem Glanz.
Im Gegensatz zum Kaupanger Ceridentum nimmt die Heiligenverehrung einen besonders
hohen Stellenwert ein. So gibt es eine Vielzahl von Heiligen und Seligen, die verehrt und
angerufen werden. Oftmals sind die Kirchen angehäuft mit Ikonen und anderen
Darstellungen der Heiligen, denen man Kerzen ansteckt und ihnen Geschenke darreicht.
Letzteres wird von den Priestern durchaus kritisch beäugt, erinnert es doch an Opfergaben
aus den alten Tagen, als das Licht des Einen noch nicht das Gardarike erhielt.
Das Kyiwianische Ceridentum hat es sich zum Auftrag gemacht den Toten Glaubensbrüdern
besonderen Respekt zu zollen, Kyiwianische Totenfeiern sind komplex und von
symbolischen Handlungen geprägt. Häufig werden auch noch lange nach dem Tod von
Familienmitgliedern Messen zu deren Ehren veranstaltet und Gebete für ihr Seelenheil
gesprochen.
1.36 Heilige der Ceridischen Kirche und im Norden
Grundlegend ist im Norden der Heilige Sigvard eine zentrale Figur und wird vielerorts
verehrt. Südlich des Danewerks ist er fast unbekannt und die Legenden um ihn haben sich
noch nicht weiter verbreitet.
Es ist auch vollkommen unklar, ob Sigvard überhaupt durch die Ceridische Kirche als
Heiliger anerkannt wurde. Das mindert seine Verehrung im Norden nicht.
1.37 Die wichtigsten Heiligen der Kirche
Hilarius
Als Erleuchteter des Einen und Erneuerer des Ceridentums nimmt Hilarius den höchsten
Rang unter den Heiligen ein. Seine sechs Jünger folgen in der Rangfolge direkt nach ihm.
Sie führten sein Werk fort und gründeten die heutige ceridische Kirche. Alle Orden der
Kirche gehen direkt auf die Gründung durch einen Jünger zurück oder beziehen sich auf
einen dieser. Die sechs Jünger des Hilarius sind:
Aurelius, der Bewahrer
Er ist der Gründer der heutigen heiligen Kirche und der Hilariusiten. Sein Zeichen ist die
Schriftrolle. Aurelius war ursprünglich ein altceridischer Abt und der erste Jünger des
Hilarius. Er hat die vollständigsten Aufzeichnungen von Leben und Lehre des letzten
Propheten verfasst.
Cadorus, der Ankläger
Meist wird er mit einer brennenden Fackel dargestellt. Cadorus hatte im Auftrag der
altceridischen Kirche Hilarius vor Gericht gestellt, der als falscher Prophet angeklagt worden
war. Am Ende des einjährigen Prozesses stand jedoch kein Schuldspruch - Cadorus wurde
von Hilarius bekehrt und zu einem seiner glühensten Anhänger. Cadorus war der letzte
Jünger: Seine Bekehrung markiert den Wendepunkt in der Mission Hilarii, die schließlich
auch innerhalb der altceridischen Kirche auf allgemeine Anerkennung stieß und sie
vollständig reformierte.
Pretorius, der Reisende
In Darstellungen ist er an seinem typischen Wanderstab erkennbar, den heute noch die
Bischöfe und Äbte als Zeichen ihrer Mission tragen. Pretorius ließ alles hinter sich, um die
Weisung Hilarii wortgetreu zu erfüllen: Auf seinen langen und gefahrvollen Wanderungen
verkündete er das Wort des Einen bis an sein Lebensende. Er ist der Schutzpatron aller
Reisenden.
Severinius, der Wächter
Severinius verteidigte Hilarius mit seinem Leben, als seine Feinde ihn vor das Kirchengericht
stellen wollten.
Wladislaw, der Krieger
Wladislaw brachte die Mission mit dem Schwert voran und bekämpfte die Ungläubigen unter
Ceriden und Heiden, die dem Wort des Hilarius keinen Glauben schenken wollten.
Wladislaw ist auch der Schutzheilige Wolkowiens.
Lucretia, die Kunstvolle
Lucretia sah ihren Auftrag darin, die Welt als Paradies auf Erden zu gestalten - denn dies
wird das Diesseits sein, wenn die Menschheit einst bekehrt ist. Ihr Symbol ist die Rose als
Ausdruck der Vollkommenheit. Lucretia ist die Schutzheilige aller Musiker, Künstler und
Kunsthandwerker.
1.38
Weitere Heilige
St. Spiridon
Zweiter der Propheten der mit seinen Jüngern das erste Mal das Ceridentum über die
Grenzen des Heiligen Landes getragen hat. Viele ceridischen Gemeinden in der ganzen
Welt lassen sich in ihren Ursprüngen auf den Heiligen Spiridon und seine Jünger zurück
führen.
Maternus
Maternus war ein Schneider aus Oschenheim, der von einem tyrannischen Adligen
erschlagen wurde, weil er dessen Mantel einem Bettler gab. Aufgrund dieses Martyriums
wird er in Oschenheim als Schutzheiliger verehrt.
Ottla
Ottla sollte laut Legende von ihrem Vater an einen heidnischen Adeligen verheiratet werden.
In der Nacht vor der Hochzeit betete sie inbrünstig zum Einen, sie hässlich zu machen,
damit der Heide sie nicht zur Frau nehmen würde. Der Eine schenkte ihr daraufhin einen
mächtigen Vollbart. Als der Allerländer seine bärtige Braut am anderen Morgen erblickte,
erschrak er und zog mit seinen Schergen aus, um sie zu erschlagen. Ottla floh in die
Sümpfe, und als sie den Häschern nicht mehr entkommen konnte, warf sie sich in ein
Schlammloch um den Heiden nicht in die Hände zu fallen. Diese verfingen sich jedoch
schlagartig in ihrem wuchernden Bart und wurden ebenfalls ersäuft.
St. Fridegurd – Schutzpatronin der Seefahrer
Die hl. Fridegurd wurde im Jahre 900 in Ostringen geboren. Schon in frühester Jugend trat
sie in den Orden der hl. Lucretia ein, da sie ihr Leben, und ihre Stimme, mit welcher sie gar
wunderbar sang, ganz dem Einem widmen wollte. Auch Gründete Sie das Kloster der Hl
Lucretia. Als Demütigste aller Klosterschwestern dort erwählte man sie bereits mit 27 Jahren
zur Äbtissin, deren Amt sie bis zu ihrem Ableben bekleidete. Sie war weise und stets fromm,
und stellte während der großen Blatternseuche im Jahre 975 sogar das gesamte Kloster als
Lazarett zur Verfügung. Als sie aber einige Jahre später wieder einmal ihre Heimatstadt
besuchte, war es seit mehreren Tagen bereits zu einem großen Sturm gekommen, der alle
Schiffe auf See und im Hafen zu versenken drohte. Da dieses aber nur durch die Mächte der
Finsternis zu Stande gekommen sein konnte, ging sie ganz alleine an die Küste und erhob
ihre Stimme in Gesang und Gebet zum Einen. Auf diese Weise gelang es ihr den Sturm im
Namen des Eynen zu besänftigen und so die Leben unzähliger Menschen zu erretten.
Die Heilige Clara
Vom Ceridentum in Anspruch genommene Heilige, verehrt in den Streitlanden.
Die Legende besagt, dass vor vielen Menschenaltern im fernen Streitland die Heilige Clara
wirkte. Schrecken und Krieg hatten dieses blühende Land heimgesucht und wo viele flohen,
machte sich Clara auf, um gerade dort, wo alles am schlimmsten stand, zu helfen.
Im Leben war sie berühmt für ihre endlose Güte und Gnade. Selbst als Krieg und Unglück
sie und ihre Familie vertrieben, spendete sie denjenigen Trost und war barmherzig zu allen,
die ihrer bedurften. Geboren als Tochter eines Landgrafen, war sie reich an Schmuck und
Vermögen, doch all dies war ihr nichts wert. So verschrieb sie sich dem Dienst an ihren
Nächsten, egal welchen Standes, und gab ihren Schmuck fort, um davon Essen für die
Hungernden zu kaufen. Und sie gab ihr Vermögen, um Medizin für die Kranken zu
finanzieren. Und sie zerriss ihre feinen Kleider und verband mit ihnen die Verletzten. Wie ein
Lauffeuer verbreitete sich die Kunde von der barmherzigen Clara und viele Ritter buhlten um
sie, denn ihre Achtbarkeit und Mildtätigkeit war eine Zierde unter den Menschen. Doch sie
sandte sie fort und sagte ihnen, sie sollten ebenso helfen und dienen wie sie, denn dies sei
ihr die wohlfeilste Minne. Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft waren ihr höher als ihr
eigenes Vermögen oder Schicksal. Sie ging ins Spital und pflegte die Kranken, sie ging in
die Lazarette und verband die Verletzten, wenn nötig, mit dem Tuch, das sie trug. Sie ging in
die Armenhäuser und wusch die Toten, die niemanden hatten.
Sie starb letzten Endes an den Seuchen der Armen und Kranken, doch selbst auf dem
Sterbebett bereute sie keinen ihrer Schritte.
Ihre Begleiter trugen die Kunde um die Heilige in alle Teile der Welt. Ihr Grab jedoch blieb
bis heute verschwunden und so machen sich jedes Jahr Heerscharen von Pilgern auf nach
Streitland um die heilige Stätte von wilden Kreaturen zu befreien und das Grab und die
Gebeine der Heiligen zu suchen um von ihr Gnade und Erlösung zu erfahren.
1.39
Kanon der Heiligen
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