Kiewer Rus (Guide von 2010)

  • a) Wer sind die Kiewer Rus
    b) Die Russische Seele
    c) Die Götter der Rus
    d) Kleidung der Männer
    e) Kleidung der Frauen
    f) Waffen und Rüstung

    von Timofei und hier als PDF: Die Kiewer Rus_Guide von 2010.pdf


    a) wer sind die Kiewer Rus?

    Für viele, reicht es wenn ein Wikinger eine weite Pluderhose und eine "Zipfelmütze" trägt um als Kiever Rus durchzugehen. Aber so einfach ist das nicht! Denn sprechen wir von Kiever Rus, meinen wir ein Reich von enormer Größe das über 400 Jahre bestand hatte.

    Wer sind nun also diese Kiever Rus und wo liegt ihr Reich?

    Im Folgenden möchte ich versuchen, eine Antwort auf diese Fragen zu formulieren.

    Als Gründungsjahr der Kiever Rus wird in der Regel mit 862 n.Ch. angegeben, da in diesem Jahr ein Varaegerfürst mit Namen Rurik (skand. Hrørikr) in das damalige Slawenland kam. Dieses Land wurde von verschiedenen slawischen Stämmen bewohnt, als Beispiele möchte ich hier die Drewiljanen, die Poljanen oder auch die Slovenen nennen. Es gibt diverse mehr, aber sie alle zu nennen würde den Rahmen sprengen und es tut auch nichts zur Sache bei der Suche nach dem Ursprung der Rus. Es gibt eine Byline (vergleichbar mit den skandinavischen Sagas), die sich mit der Gründung der Kiever Rus beschäftigt. Diese möchte ich kurz anreißen um erst einmal die Wurzeln der Rus klarzustellen.

    Bereits um 750 n.Ch. ließen sich die ersten Varaeger im Gebiet der späteren Kiever Rus nieder, genauer gesagt in Staraya-Ladoga. Diese führten von dort aus Raubzüge auf das umliegende Gebiet der Slawen durch. Dies gelang ihnen recht einfach, da die slawischen Stämme untereinander uneins waren. Etwa um 800 n.Ch. schlossen sich jedoch einige slawische Stämme zusammen um der Bedrohung der marodierenden Varaeger Herr zu werden. Der Kampf war hart, aber am Ende gelang es den Slawen, die Varaeger zu schlagen und sie vertrieben sie über das Varaegische Meer (heute Ostsee) nach Norden. Nun galt es einen Herrscher zu finden welcher über die Slawen regieren sollte und sofort brachen die alten Streitigkeiten wieder aus. Es wurde recht bald klar, das ob dieser Streitigkeiten es unmöglich erschien einen aus ihren eigenen Reihen zu erwählen, um über die Slawen zu herrschen. Denn jeder Stamm stellte einen der eigenen zum Fürsten, und zum Teil stellten gar einzelne Sippen, Anwärter für den Fürsten. Aus diesem Streite entbrannte ein Bürgerkrieg im slawischen Land. So schlossen sich im Jahre 860 n. Ch. die Stämme der Cuden, Slovenen, Krivicen und Vesen zusammen und schickten Boten gen Norden in das Land der Varaeger. Diese sollten dort darum werben, dass ein varaegischer Fürst zu ihnen komme um über die ihren zu regieren. Diesem Wunsch folgten der Byline nach 3 Brüder, Rurik der Ältere und seine beiden Brüder Sineus und Truwor. Rurik ließ sich im heutigen Novgorod (neue Stadt) nieder und begründete diese Stadt, Sineus ging nach Beloozero und Truwor nach Izbork. Rurik herrschte von 862 - 879 n. Ch. von Novgord über das Reich der Slawen und begründete damit die Stammlinie der Kiever Fürsten (Rurikiden). Während dieser Zeit zogen 2 Männer aus dem Gefolge Ruriks mit ihren Schiffen gen Süden und ließen sich im Gebiet des heutigen Kievs (im skand. Kjanugaard) nieder. Diese beiden Männer, welche auf die Namen Askod und Dir hörten, gelten somit als die Begründer Kievs. Im Jahre 882 n.Ch. zog Fürst Oleg, welcher als Vormund für Ruriks Sohn Igor regierte gen Süden und nahm Kiev ein. Durch die Zusammenführung der Varaegerherrschaften im Norden (um Novgorod) und im Süden (um Kiev) und die dann folgende Verlegung des Fürstensitzes von Novgorod nach Kiev, gilt als Gründung des Reiches der Kiever Rus.[1]


    Das Gebiet der Kiever Rus erstreckt sich von den großen Handelsstädten Alt-Ladoga und Novgorod (im skand. Holmgaard) im Norden bis zu den Außenposten Beresan und Tmutorokan im Süden, von den alten Städten Galitsch und Isborsk im Westen bis zu den Neugründungen Jaroslawl und Murom im Osten.

    Dieses frühmittelalterliche Großreich, dessen riesiges Gebiet von Ostslawen, Finnen und Balten, sowie (marginal) von iranischen und turkstämmigen Völkern bewohnt wurde, wurde von den hauptsächlich aus Schweden stammenden Varaegern oder Rus beherrscht, die den Großteil der Adels-, Händler- und Kriegerschicht bildeten. Die dominierende Kultur und Sprache war jedoch die Slawische, und die Varaeger erfuhren bereits nach wenigen Generationen die vollständige Slawisierung.

    Das 10. Jahrhundert kennzeichnete den Höhepunkt der Kiewer Macht. Fürst Oleg von Kiew konnte nach einem erfolgreichen Feldzug gegen Konstantinopel dem Byzantinischen Reich einen vorteilhaften Diktatfrieden aufzwingen. Fürst Svjatoslav zerstörte das Chasaren-Reich und eroberte vorübergehend weite Teile des Balkans, unter anderem das Bulgarische Zarenreich.


    Durch den hauptsächlich auf Konstantinopel ausgerichteten Handel kam es, trotz anfänglicher Eroberungsversuche seitens der Rus, zu engen Kontakten mit dem Byzantinischen Reich, die zur christlichen Missionierung und schließlich 988 zum Übertritt der Rus zum orthodoxen Glauben führten. So entstand zur ersten Jahrtausendwende aus der Verschmelzung von Skandinaviern und Slawen mit byzantinischer Kultur und Religion das Volk der Ostslawen, aus dem später Russen, Ukrainer und Weißrussen hervorgegangen sind.

    Die Kiewer Fürsten waren hoch angesehen und heirateten in ganz Europa; so schlossen sie dynastische Verbindungen unter anderem mit Norwegen, Schweden, Frankreich, England, Polen, Ungarn, dem Byzantinischen und dem Deutschen Reich. Eine Blütezeit erreichte die Kiever Rus unter den Großfürsten Wladimir dem Heiligen (980–1015) und Jaroslaw dem Weisen (1019–1054). Letzterer ließ im ganzen Reich nach byzantinischem Vorbild viele Kirchen, Klöster, Schreibschulen und Festungsanlagen errichten, reformierte die ostslawische Gesetzgebung und hielt sie erstmals schriftlich fest (Russkaja Prawda) und gründete in Kiev die erste ostslawische Bibliothek.

    Eine Belastung für die Kiever Rus war die geographische Randlage in Europa an der Grenze zum Wilden Feld, aus dem ständig neue Reitervölker wie Alanen, Petschenegen oder Kyptschaken kamen, die das Reich mit ihren Überfällen immer im Kriegszustand hielten. Das zweite große Problem war die Erbfolgeregelung nach dem Senioratsprinzip, die bei fast jedem Thronwechsel zu Bürgerkriegen und ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts zu immer mehr Aufspaltungen des Reiches führte.

    Nach dem Tod des mächtigen Großfürsten Wladimir Monomach (1125), der die zerstrittenen Fürsten noch einmal einen konnte, kam es zum endgültigen Zerfall des Kiever Reiches. Die Teilfürstentümer wurden jedoch weiterhin alle von Fürsten aus dem Geschlecht der Rurikiden regiert. Den ab 1223 einfallenden Mongolen fiel es dadurch aber leicht, die ostslawischen Fürstentümer nacheinander zu unterwerfen. Das einzige Fürstentum was dem Mongolensturm stand hielt, war Groß-Novgorod.



    Im Folgenden möchte ich hier eine kleine Zeitleiste [2] für das Reich der Kiever Rus aufzeigen:

    * ca. 750: Skandinavische Siedlung in Staraja Ladoga (Alt-Ladoga).

    * 844: Ibn Chordadhbeh schreibt nieder, dass die Rus "Eunuchen, männliche Sklaven, weibliche Sklaven, Biber- und Marderfelle sowie andere Pelze" verkaufen.

    * 862: Laut Nestorchronik kommt es zu Kämpfen zwischen Einheimischen und Warägern, die zur Vertreibung der Waräger führen. Danach reist eine Delegation der Slawen, Finnen und Esten nach Schweden und lädt die warägischen Rus dazu ein, über die zerstrittenen Stämme zu herrschen.

    * 864–883: Die Rus überfällt und plündert islamische Städte am Kaspischen Meer.

    * 865: Erneuter Angriff der Rus auf Konstantinopel.

    * ca. 868: Die Rus unter Askold und Dir übernimmt die Kontrolle über die slawische Stadt Kiew.

    * 882: Oleg/Helgi wird Fürst von Kiew: Gründung der Kiewer Rus durch die Vereinigung der Warägerherrschaften im Norden (um Nowgorod) mit denen im Süden (um Kiew).

    * 902: 700 Söldner aus der Rus sind in byzantinischen Diensten an einer Militäraktion auf Kreta beteiligt.

    * 907-913: Feldzüge der Rus gegen das Byzantinische Reich sowie gegen islamische Länder.

    * 907: Flottenangriff der Rus auf Konstantinopel, der byzantinische Kaiser zahlt Tribut und bietet Handelsprivilegien an.

    * 920: Der arabische Handelsreisende Ibn Fadlan trifft die Rus in Bolgar an der Wolga und schreibt seinen berühmten Bericht über die Wikinger der Rus.

    * ca. 930: Igor, Fürst der Wolga-Rus, übernimmt die Herrschaft in Kiew.

    * 944: Friedensvertrag zwischen der Kiewer Rus und dem Byzantinischen Reich.

    * ca. 945: Der aufständische Stamm der Drewljanen tötet Igor. Olga wird Fürstin von Kiew.

    * 955: Swjatoslaw, der Sohn von Igor/Ingvarr und Olga/Helga lässt sich taufen, bleibt aber nur oberflächlich christianisiert.

    * 957: ernst gemeinte Taufe von Fürstin Olga durch byzantinische Priester.

    * 965: Die Rus unter Swjatoslaw zerstört die Festung Sarkel und Itil, die Hauptstadt des Chasarenreichs, überfällt islamische Gebiete, erobert Küstengebiete an der Ostsee und führt Krieg gegen die Wolga-Bulgaren, um die östlichen Handelswege in den Orient unter ihre Kontrolle zu bekommen.

    * 967–969: Feldzug der Rus unter Swjatoslaw quer durch den ganzen Balkan. In Thrakien nimmt Swjatoslaw 80 Städte an der Donau ein und legt sich den Zarentitel des bulgarischen Herrschers zu, der zum Vasall des russischen Großfürsten degradiert wurde. Swjatoslaw verkündet die geplante Verlegung seiner Hauptstadt von Kiew nach Preslaw an der Donau, weil dort "der Mittelpunkt seines Reiches läge".

    * 969: Die Rus unterwirft die Chasaren.

    * 971: nach einer verheerenden Niederlage gegen die byzantinische Armee trifft Swjatoslaw an der Donau mit dem byzantinischen Kaiser Johannes Tsimiskes zusammen und schließt mit ihm einen Friedensvertrag, der ihn zum Verzicht auf Bulgarien und zur Rückkehr in die Kiewer Rus verpflichtet. Der byzantinische Chronist Leo Diaconus schreibt daraufhin sein berühmtes Portrait von Swjatoslaw nieder ('blond, blauäugig, Schnurrbart, rasiertes Haar bis auf zwei Haarlocken').

    * 972: Swjatoslaw wird auf dem Rückweg in sein Reich an den Dnjepr-Stromschnellen von Petschenegen getötet.

    * 972–980: Jaropolk I. ist Fürst von Kiew.

    * 980–982: Wladimir Swjatoslawitsch wird Großfürst von Kiew und schlägt Aufstände slawischer Stämme nieder.

    * 987: Wladimir Swjatoslawitsch lässt sich von byzantinischen Priestern in Kiew taufen. Daraufhin heiratet er die purpurgeborene byzantinische Prinzessin Anna. Damit wird dem Fürsten der Rus als bis dato einzigem europäischen Herrscher die Ehre zu Teil, eine Tochter eines Kaisers von Byzanz zu ehelichen. Dem deutschen Kaiser Otto III. ist diese Ehre kurz zuvor verwehrt worden.

    * 988: Großfürst Wladimir I. (der Heilige) bekehrt die Rus zum orthodoxen Glauben. In Kiew werden heidnische Tempel zerstört und slawische Götzenbilder in den Dnjepr geworfen.

    * 990–1015: Krieg zwischen der Rus und den Petschenegen.

    * 1024: Schlacht von Listwen: Im Kampf der Söhne Wladimirs um die Nachfolge unterliegt Jaroslaws Warägertruppe unter Jakun den slawischen Kontingenten seines Bruders Mstislaw.

    * 1043: Letzter Flottenangriff der Kiewer Rus auf Konstantinopel, der erfolglos endet.

    * 1097: auf dem Fürstenrat von Ljubetsch wird das Senioratsprinzip durch die Primogenitur ersetzt

    * 1113–1125: Wiedererstarkung der zentralisierten Macht in Kiew durch Wladimir Monomach.

    * 1185: Feldzug des Fürsten Igor Swjatoslawitsch von Nowgorod-Sewersk, der im Igorlied beschrieben ist.[3]

    * 1223: Zum ersten Mal erscheinen die Mongolen in der Rus; die Schlacht an der Kalka endet mit einer bitteren Niederlage für die Rus.

    * 1237–1239: Erster Zug der Mongolen unter Batu durch die nördliche Rus.

    * 1240–1242: Zweiter Zug der Mongolen unter Batu durch die südliche Rus und Zerstörung von Kiew am 6. Dezember 1240 nach 3 Monaten Belagerung. Dieses Ereignis betrachten manche als Ende der Kiewer Rus.


    Quellen:

    [1] nachzulesen in der Nestorchronik

    [2] nachzulesen in Riemschers "Kleine Geschichte Russlands"

    [3] beschrieben im Igorlied



    b) Die Russische Seele

    Der arabische Reisende Ibn Fadlan, widmete den Rus in seinen Texten ein weites Feld. Er schrieb: "....... Gott muss diese Menschen geliebt haben, als er sie erschuf. Sie waren groß wie Dattelbäume, stark wie Elefanten. Ihre Haare waren meist dunkel und ihre Haut von der Sonne verwöhnt. Sie sind gastfreundlich und spendabel, aber im Handel harte Verhandlungspartner. Ihre militärische Streitmacht und Kampfkraft ist riesig, sie scheinen beinahe nicht zu besiegen.

    Es gibt nur eine negative Eigenschaft, die ich den Rus bescheinigen muss, und das ist das sie sich all ihrer Vorzüge vollends bewusst sind. ......."


    Doch wie genau stelle ich einen Rus glaubwürdig dar? Was macht den Rus aus?

    Auf diese Fragen möchte ich hier nun eingehen. Auch damals gab es bereits eine ausgeprägte Kultur in der Rus. Es gab Bibliotheken, Schreibschulen, Badehäuser, Tempel, Kirchen, Theater und vieles mehr. Man bemühte sich im späten 10ten - 11ten Jh. sehr stark darum, dass die Rus nicht als ein Volk von Wilden angesehen wurde, darum kam dem Thema der Bildung ein hoher Stellenwert zu. Viele aus der sozialen Oberschicht konnten lesen, schreiben und waren der Zahlenmystik (Mathematik) mächtig. Auch in Sachen Sprachen wurden Schulen gegründet, wo man (wenn man das nötige "Kleingeld" hatte) Sprachen wie Latein, Griechisch, Schwedisch oder Tatarisch lernen konnte.

    Doch hier möchte ich einen Einblick in das Wesen der Rus gewähren, mich also nicht zu sehr auf eine soziale Schicht festlegen. Das Leben der Menschen war hart, wie der berüchtigte russische Winter. Die Menschen arbeiteten hart um sich etwas zu schaffen. Die Kiever Rus, war ein Großreich, sie bestand aus vielen, sich teilweise stark unterscheidenden Regionen was, es schwierig macht auf alle Nöte und Sorgen der einzelnen Stämme einzugehen.

    Ich möchte dennoch versuchen, ein allgemein gültiges Bildnis der "russischen Seele" zu zeichnen, die es dem Leser erleichtern möge einen Rus glaubhaft darzustellen. Auch der Umgang unter den Rus war gänzlich anders als in anderen Regionen dieser Zeit. Ein Lurgi (freier Mann) sprach mit einem Boyaren (Adeliger ) oder seinem Knjaz (Fürst) wie mit seines gleichen. Natürlich war der Boyar teil einer höheren sozialen Schicht und hatte im Zweifelsfall mehr zu sagen als ein Lurgi, was jedoch nichts an dem herrschenden Umgangston änderte. Die Rus betrachteten ihr ganzes Volk als eine Familie, so gab es Aussprüche wie Brüderchen (Bratishka) Boyar oder Bruder (Brate) Druzinik. Den Kopf dieser Familie bildete der Fürst, so wurde er auch als Väterchen Fürst von seinem Volk bezeichnet. Diese Sprachtradition hat sich zum Teil bis heute erhalten, man bedenke Beispiele wie: " Mütterchen Russland" oder "Väterchen Frost".

    Nun noch paar Worte zum familiären Leben in der Rus, in einer Familie herrschte uneingeschränkt der Mann, man spricht dabei von einem Patriarchat. Zumindest im öffentlichen Teil des Lebens war der Mann das uneingeschränkte Oberhaupt der Familie. Die Frau, war üblicherweise nicht geschäftsfähig, sprach in der Öffentlichkeit nur mit anderen Frauen und vermied den direkten Augenkontakt zu anderen Männern. Im Hause allerdings verhielt sich das alles anders. Hier war die Frau in ihrer Zuständigkeit, sie hatte die Schlüssel zu allen Türen, Schlössern und Truhen. Dennoch, sobald Besuch im Hause war, nahm der Mann sofort wieder seine Rolle als Oberhaupt oder Patriarch ein (zumindest vor dem Gast). Knapp zusammengefasst lässt sich sagen: der Mann war in der Öffentlichkeit, in finanziellen, und auch in geschäftlichen Fragen, das Familienoberhaupt. Die Frau hatte ihre Zuständigkeiten im Bereich der Haushaltsführung, der Verpflegung und der Betreuung der Kinder.


    Ich denke dies ermöglicht einen kurzen aber prägnanten Eindruck der Rus. Wenn du, geneigter Leser, einen Rus darstellen möchtest, solltest du folgendes beachten:

    Spiele den Rus als einen gastfreundlichen und sehr selbstbewussten Gesellen. Lasse Dein Gegenüber wissen, woher du kommst, denn die Rus waren stolz auf ihr Land und ihre Kultur. Verschwende keinen Moment ohne die Rus, seine Städte und Fürsten zu preisen. Zeige deinen Stolz unverhohlen und mische ihn mit der Überzeugung einer großen Kultur anzugehören. Zeige Dich aber auch milde anderen Völkern gegenüber, denn sie können nichts dafür, das sie in Deinen Augen ungebildet und ärmlichen erscheinen. Überhaupt ist die Meßlatte für Reichtum und Vermögen bei den Rus gänzlich anders zu betrachten. Ein vermögender Adeliger aus Skandinavien verblasste häufig im Vergleich zu einem russischen Boyaren (Adelsstand in der Rus).

    Kurz gesagt, spiele deinen Rus, als gebildeten (je nach sozialem Stand) und gläubigen Menschen, dem die Gastfreundschaft ein hohes Gebot ist. Versehe deinen Charakter mit Eigenschaften wie Mut, Stärke, Vertrauen in seinen Fürsten, Liebe für sein Land und sein Volk, großem Geschäftssinn und der fast schon zur Überheblichkeit neigenden, Überzeugung aus einem großen Reich, voll reicher Städte und einem schier (in deinen Augen) unbesiegbaren Heer zu stammen. Wenn du dann noch die nötige Trinkfestigkeit mitbringst, steht einem Rus-Charakter fast nichts mehr im Wege.


    Mögliche Darstellungen für die Kiever Rus:


    1.) Leibeigene / Sklaven (Chaled)

    Bauern

    Tagelöhner

    2.) freie Männer und Frauen (Lurgi)

    Bauern

    Handwerker

    Kaufleute

    3.) Söldner (Nayemnik)

    4.) Krieger (Druzinik)

    Bediensteter (Otrok)

    einfacher Soldat (Grid)

    Leibwächter (Dal)

    niedere Offiziere (Jenior Druzinik)

    höhere Offiziere (Senior Druzinik)

    Befehlshaber / General (Vojevody)

    5.) Adeliger/Adelige (Boyar/Boyarina)

    Statthalter (Possadnik)

    Regionalverwalter (Vojevody)

    fürstlicher Erzieher (Kremilec)

    6.) Fürsten (Knjaz)

    7.) Großfürst ( velikji Knjaz)


    Die letzten beiden Ränge/Posten hab ich nur der Vollständigkeit wegen erwähnt, aber einen solchen darzustellen ist annähernd unmöglich. Denn dazu wäre ein riesiger Tross nötig und eine Gewandung aus edelsten Stoffen und teuersten Schmuck.


    Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick, in die russische Seele gewähren und euch die Kultur der Rus etwas näher bringen. Wer mehr über die Kultur der Rus erfahren möchte, dem rate ich die Bücher von Semen Skljarenko an.


    c) Die Götter der Rus

    Waren am Anfang der Rus (Mitte bis spätes 9. Jhrd) noch die alten Götter der Skandinavier die maßgeblichen Gottheiten, wurden sie doch immer mehr vermischt mit den slawischen Göttern. Man spricht davon das die Varaegischen Fürsten, bereits nach 3 bis 4 Generationen vollkommen slawisiert wurden.

    Hier möchte ich nun die Gottheiten des slawischen Pantheons vorstellen. Ich beschränke mich dabei aber auf die Ausprägung im ostslawischen Raum. Dies ist nötig, da sich die Namen und auch die Zuständigkeiten der Götter im slawischen, will heißen im west- und ostslawischen teils deutlich unterscheiden.


    Die slawische Mythologie beschreibt die Mythologie der Slawen, also die Mythen und die religiösen Vorstellungen der slawischen Völker vor ihrer Christianisierung und ihr Fortdauern in Form „heidnischer“ Bräuche in christlicher Zeit. Überliefert ist ein polytheistisches System mit einer Vielzahl von Gottheiten, Naturgeistern und Naturkulten, das Übereinstimmungen mit der ursprünglichen indogermanischen Religion aufweist und Einflüsse benachbarter Kulturen erkennen lässt.

    Die Vorstellung der Welt ist personifiziert. Der Himmel, die Erde und die Himmelskörper werden als übernatürliche Wesen vorgestellt. Der Erde ist die Göttin Mokosch, dem Himmel der Gott Svarog zugeordnet. Unter den Himmelskörpern genoss neben Sonne und Mond besonders die Venus kultische Verehrung.


    Die im folgenden vorgestellten Gottheiten, sind eben jene Hauptgötter der Ostslawen, denen in Kiev Bildnisse geschaffen wurden:


    Götter:


    1.) Chors


    Chors (auch Chers, Chrs, Churs oder Chros) ist ein slawischer Gott, der mutmaßlich den Mond verkörperte.


    Der einzige konkretere Anhaltspunkt findet sich im Igorlied, in dem Fürst Wseslaw Brjatschislawitsch von Polazk (1044 bis 1101) die Fähigkeit zugeschrieben wird, sich in einen Werwolf zu verwandeln. Er habe tagsüber die Stadt verwaltet, des nachts sei er aber in Wolfsgestalt von Kiew nach Tmutorokan gelaufen und habe dabei „dem großen Chrs“ den Weg gekreuzt


    2.) Svarožic


    Svarožic (ausgesprochen ßwaroschitsch) ist ein slawischer Gott, der in verschiedenen Gegenden unter verschiedenen Namen bekannt war. Bei den Ost- und Südslawen trug er den Namen Dažbog oder Dabog.


    Der Name Svarožic kann als „Sohn des Svarog“, des Himmelsgottes und Gottvaters des slawischen Pantheons, gedeutet werden. Der Sohn des Svarog galt in der frühen Zeit als Gott des irdischen Feuers und des Lichts, also als Sonnengott und Lebensspender. Auf diese gebende Funktion weist auch die Silbe dažd („gib“) seines anderen Namens Dažbog hin. Er wurde daher besonders im landwirtschaftlichen Bereich verehrt, anlässlich von Sonnenwenden.


    Im Osten des slawischen Gebietes wurde die Gottheit im Rahmen eines Feuerkultes verehrt. Noch im 12. Jahrhundert nennt das Igorlied das ganze russische Volk und seinen Fürsten Oleg die „Enkel Dažbogs“.


    Mit der Christianisierung wurde Dabog mit dem Teufel gleichgesetzt. Die gnostische christliche Gruppe der Bogomilen stellt ihn als „Zar auf Erden“, also als Teufel, dem „Gott im Himmel“ gegenüber.


    3.) Mokosch


    Mokosch oder Mokuscha ist eine slawische Göttin. Sie ist die einzige bekannte weibliche Gottheit des slawischen Pantheons und zuständig für Fruchtbarkeit, Weiblichkeit und den Schutz der Schafe und des Spinnens und Webens. Ihr Name ist von dem Wortstamm mok- (feucht) abgeleitet. Sie symbolisiert demnach die „feuchte Mutter Erde“.


    In den schriftlichen Quellen wird sie meist zusammen mit Wassergeistern erwähnt, den Vilen, später den Rusalken. Ein russisches Traktat bringt die Göttin in Zusammenhang mit sexuellen Riten.


    Nach der Christianisierung wurde der Schutz der Felder und des Viehs, der Mokosch oblag, der Heiligen Paraskeva übertragen. Ihr waren im apokryphen Kalender zwölf Freitage im Jahr geweiht, was die Bedeutung dieses Kultes verdeutlicht. Doch noch im 16. Jahrhundert wurden Frauen bei der Beichte gefragt, ob sie zu Mokosch gingen, und bis zum 19. Jahrhundert hielt sich in der nordrussischen und ukrainischen Folklore die Vorstellung eines weiblichen Dämons namens Mokusch, mit großem Kopf und langen Händen, der nachts in die Bauernhäuser kam und das Werk spann, das offen herumlag, wobei allerdings die Gefahr bestand, dass sie jemanden umspann. Ihr Kommen kündigte sich durch das Geräusch einer Spindel an, der Geist selbst war unsichtbar.


    4.) Perun


    Perun ist der oberste Gott der slawischen Mythologie. Er ist der Gott des Gewitters, des Donners und der Blitze. Zu seinen Symbolen zählen die Schwertlilie, die Axt und die Eiche.


    Sein Name leitet sich aus der Wurzel per- (schlagen) und der verstärkenden Endung -un ab und bedeutet demnach „Der stark Schlagende“.


    Die Nestorchronik nennt Perun als göttlichen Bürgen für die Verträge der Kiewer Rus mit dem Byzantinischen Reich in den Jahren 907, 912, 945 und 971.


    5.) Simargl


    Simargl ist ein Gott der slawischen Mythologie. Laut dem antiheidnischen Traktat Slovo nekojego christoljubca handelt es sich dagegen um zwei Götter mit den Namen Sim und Rgl.


    Seine Zuständigkeit ist unbekannt. Eine Deutung leitet seinen Namen aus den slawischen Wörtern semja (Familie) und Rž (Roggen) ab und schreibt ihm die Funktion eines Beschützer des Viehs und der Ernte zu.


    Auf silbernen Armringen aus Kiew des 11. bis 13. Jahrhunderts, die Simargl darstellen sollen, hatte er das Aussehen eines Hundes mit dem Kopf und den Flügeln eines Greifs.


    6.) Stribog


    Stribog ist ein slawischer Gott mit unklarer Zuständigkeit, der meist als Windgottheit gedeutet wird.

    Sein Name ist in der Nestorchronik, in einer russischen Übersetzung des Johannes Chrysostomos aus dem 11. Jahrhundert sowie im Igorlied überliefert, in dem die Winde, die dem Heer Igors entgegenwehen und vom Meer aus Pfeile aussenden, als „Enkel Stribogs“ bezeichnet werden.


    7.) Svarog


    Svarog ist ein slawischer Gott des Himmels. Er ist der himmlische Gott-Vater, Schöpfer von Erde, Sonne und Feuer und Vater des Sonnen- und Fruchtbarkeitsgottes Svarožic. Sein Name stammt aus der indogermanischen Wurzel svar (Licht, strahlender Himmel).


    Er soll die Monogamie eingeführt haben, die Strafe bei Zuwiderhandlungen war der Tod im Feuerofen. Sein Sohn und Nachfolger Svarozic hütete dieses Gesetz.


    8.) Veles


    Veles oder Volos ist einer der Hauptgötter in der slawischen Mythologie. Er ist ursprünglich ein Gott der Fruchtbarkeit und der Magie, Beschützer des Viehs und der Ernte und Herrscher über das Totenreich. Von dieser Grundfunktion leitet sich seine Zuständigkeit für den wirtschaftlichen Bereich, das Bewahren des Reichtums und das Sicherstellen der Rechtsordnung ab.


    Als Gott der Erde ist Veles der Gegenpol zum Donnergott Perun.

    Veles wird vor allem in russischen Quellen genannt und trägt dort den Beinamen skotij bog (Gott des Viehs).


    Im 10. Jahrhundert wurde Veles als Gott der Rechtsordnung neben Perun auch beim Abschluss der russischen Verträge mit dem byzantinischen Reich angerufen.


    Nach der Christianisierung wurde Veles zum Teufel umgedeutet, sein Name taucht in dieser Funktion in Sprichwörtern auf.


    Dies sind im wesentlichen die Hauptgötter der Ostslawen, so wie es die Überlieferungen hergeben. Dies alles gilt bis etwa zum Jahr 988 n.Ch. welches als Jahr der offiziellen Christanisierung der Ostslawen / Kiever Rus gilt.

    Danach war die offizielle Staatsreligion, die des Orthodoxen Christentums. Diese möchte ich hier aber nicht auch noch genau erläutern und bitte darum den interessierten Leser, sich im Internet selbstständig zu informieren.


    d) Kleidung der Männer

    Hier möchte ich versuchen euch einen kleinen Eindruck über die Kleidung der Rus zu geben.

    Beginnen werde ich hier mit der Kleidung der Männer.


    Das Untergewand (Sorochka):

    Als Standartgewand, gleich welchem Stande, gilt die Sorochka. Einfache Menschen trugen dieses Gewand aus ungeblichenem Leinen, für jene war es meist auch gleichzeitig das Obergewand. Die höheren sozialen Schichten trugen die Sorochka aus gebleichtem Leinen und ein Übergewand (Rubakha), dazu aber später mehr.

    Die Sorochka war gerade geschnitten und etwa Knie lang. Sie lag eng am Körper an und hatte röhrenförmige Ärmel (welche oftmals überlang waren). Wer es sich leisten konnte, versah die Sorochka mit rotem Stick, z.b. an der Halsöffnung, an den Handgelenken sowie am Saum. Den Halsausschnitt gab es in 2 Variationen, zum einen ein einfach runder Halsausschnitt und zum anderen ein links versetzter (vom Brustbein betrachtet) Schlitz, welcher mit Knöpfen verschlossen wurde (je nach Stand waren die Knöpfe aus Holz oder Metall). Anbei sei noch bemerkt das es als unschicklich betrachtet wurde, wenn man die Sorochka ohne Gürtung trug.


    Das Übergewand (Rubakha):

    Wer es sich leisten konnte, der trug über der Sorochka noch ein Übergewand, die sogenannte Rubakha. Vom Schnitt her ist die Rubakha identisch mit der Sorochka, mit ein paar wenigen Veränderungen. So reichte der Saum der Rubakha mindestens bis zur Mitte der Wade oder gar bis zu den Knöcheln. Der Halsausschnitt war i.d.R. der seitlich versetzte Schlitz und wurde mit Metallknöpfen verschlossen. Mögliche Stoffe waren, feine Wolle, Leinen, Seide oder Brokat (je nach dargestelltem Stand). Vermögendere Menschen verziehrten ihre Rubakha durch Seiden- und Brokatansätze, sowie Stickereien mit Gold- oder Silberfaden. Auch hier gilt, das man eine Rubakha nie ungegürtet trägt!


    Die Hose (Porta):

    Die Typische Rushose war (anders als viele glauben), nicht die meist als solche verkaufte "Pumphose". Bei diesen Hosen handelt es sich um Rekonstruktionen aus Funden aus Birka und Haitabu. Die eigentliche Rus- / Slawenhose war eine Hose die aus drei Teilen bestand. Dabei handelt es sich um 2 Stoffstücke für die Beine und ein Verbindungsstück. Die Beine waren komplett weit geschnitten (bis zu den Knöcheln), d.h. ohne die weitverbreiteten Röhren über die Waden. Durch das tragen von Stiefeln entstand der Eindruck das es sich um "Pumphosen" handele. Sie wurde am oberen Saum mit einem Kordel (Gashnika), welches durch einen Kanal gezogen wurde, gehalten. Einfache Menschen trugen ungebleichtes Leinen, der höhere Stand, verwendete gebleichtes Leinen, Wolle oder auch Seide.


    Beinwickel (Onuchi):

    Die bei vielen Wikingern verwendeten Beinwickel waren in der Hochzeit der Kiever Rus eher selten. Beinwickel trägt man nur wenn man entweder einen sehr frühen Rus (d.h. 9.Jhrd) darstellt oder aber aus dem hohen Norden der Rus stammt wo der skandinavische Einfluß noch stark war. Onuchi bestehen i.d.R. aus Leinen oder ggf Wolle. Die Länge hängt vom Träger ab. Besonders vermögende Rus, legten über das Basismaterial noch eine Schicht Seide.


    "Hosenbändchen":

    Das "Hosenbändchen" bezeichnet ein kleines Stoffband mit dem man den Stoff am unteren Rand der Hose zusammenschnürte. Wenn man dies nun mit Halbschuhen kombinierte entstand ein Bild was den Hosen der Orientalen sehr ähnelt.


    "Stulpen":

    Die Stulpen, waren vom Schnitt her fast wie eine Fütterung für Stiefel geformt. Aber sie wurden nicht nur unter Stiefeln getragen, sondern auch in Kombination mit Halbschuhen. Die Stulpe reichte von ihrer Länge her bis zum Ansatz des Knies und schloß unten den gesammten Fuß mit ein. Mögliche Materialien sind Leinen, Wolle oder auch Seide.


    Der Mantel (Svita):

    Die Svita war eine Überbekleidung die in der gesammten Rus verbreitet war und von allen sozialen Schichten getragen wurde. Je nach Vermögen variiert die Svita in Material, Länge und Verzierung. Sie wurde über den Kopf gezogen wie eine Rubakha und hatte auf der Vorderseite einen Schlitz der bis zur Hüfte reichte. Dieser wurde mit Knöpfen verschlossen, diese bestanden je nach Vermögen aus Holz oder Metall. Das übliche Material für eine Svita war Wolle, welches ggf mit Leinen unterlegt wurde. Der Schnitt ist ähnlich wie der einer Rubakha, nur das hier der Schlitz mittig sitzt und länger ist. Außerdem gehen die Ärmel nur bis zum Handgelenk und der Saum reichte mindestens bis zum Knie, er konnte aber auch bis zur Mitte der Waden reichen (WICHTIG Darstellung beachten!). Auf der Svita trug man gewöhnlich einen Stoffgürtel z.b. aus Wolle oder Seide.


    Der Kaftan:

    Ein Kaftan ist das Pendant zum nordischen Klappenrock. Es gibt ihn in vielen unterschiedlich Formen, die alle aufzuzählen hier den Rahmen sprengen würde. Er bestand i.d.R. aus Wolle, Loden, Seide oder Brokat und war z.T. unterlegt mit Leinen. Er hatte meist eine Ärmellänge die bis zu den Handgelenken reichte, aber es gab auch Ärmellose Kaftane (Wichtig, keine Halbarm Versionen!). Der Saum des Kaftans reichte mindestens bis zu den Knien, konnte aber auch bis zur Mitte der Waden oder bis zu den Knöcheln reichen. Er war das übliche Kleidungsstück der Boyaren und Druziniki und somit quasi ein Standeszeichen. Er wurde mit quergelegten Borten über der Brust verziert, überlappte vorne und wurde mit einer Knopfleiste verschlossen. Manche besonders edele Varianten wurden noch mit Stickereien versehen und mit Fell verbrämt (an den Ärmeln, dem Hals und dem Saum). Er wurde immer mit einem Gürtel getragen, meist aus Leder oder auch aus Stoff oder sogar beidem.


    Der Umhang (Korzna):

    Der Korzna war ein Umhang, welcher meist rechteckig war. Es gab jedoch auch Halbkreismodelle, diese wurden aber nur von der absoluten Oberschicht der Rus getragen. Je nach Funktion (zum Wärmen oder zu representiven Zwecken) variiert das Material von Wolle über Loden oder Seide bis hin zu Brokat. Er wurde auf der Schulter geschlossen mit einer Fiebel oder aber vor dem Hals mit einer Umhangschließe.


    Die Mütze (Kopca):

    Viele glauben das die typische Rusmütze, eine Zipfelmütze mit langer Spitze wäre, das ist leider falsch! Diese Zipfelmütze ist ein Kleidungsstück, welches man primär den Varaegern (Schweden) zuschreiben muß, zwar gibt es auch einen Fund einer Mützenspitze aus Kiev, jedoch macht ein einzelner Fund, solche Mützen nicht zur representiven Mütze der Rus.Dazu sei noch vermerkt das der Zipfel nur bis zum unteren Ende der Fellverbrämung reichte und nicht wie von vielen getragen bis zum Hals oder gar der Schulter. Nun aber zurück zur Rus. Die übliche Mütze der Rus (Kopca), ist eine runde Mütze mit Fellverbrämung. Die Mützen bestanden meist aus Wolle, Loden oder Filz und waren z.T. mit Leinen und selten auch mit Fell gefüttert. Als Fellverbrämung taugen Fuchs, Wolf, Bieber oder Zobel (bitte kein Kaninchen oder Schafsfell!).


    Schuhe:

    Halbschuhe (Porshni):

    Die Porshni, waren Lederschuhe die nur bis maximal knapp über die Knöchel gehen und wurden mit Lederbändern oder Kordel umwickelt und somit verschlossen.


    Halbstiefel (Polusapozhki):

    Die Polusapozhki, waren halbhohe Lederschaftstiefel, welche maximal bis zur Mitte der Waden reichten.


    Stiefel (Sapogi):

    Die Sapogi, waren Lederschaftstiefel, welche bis zum Knie gingen und waren z.T. mit einem Knieschild versehen.


    Bastschuhe (Lapti):

    Die Lapti, waren die Schuhe der einfachen Bevölkerung der Rus (meist in ländlichen Regionen) und bestanden aus dem Bast der Birke.


    Schuhe allgemein:

    Allen Schuhen (mit Ausnahme der Lapti) oder Stiefeln ist gemein das sie je nach Vermögen noch mit Stickereien versehen werden konnten und sogar aus farbigen Leder bestehen konnten (verbreitete Farben waren: gelb, blau, rot oder grün). Darüberhinaus ist noch zu sagen das es in der Rus keine Knebelverschlüsse (egal ob aus Horn oder Holz) gab. Die Stiefel waren immer komplett geschlossene Schaftstiefel ohne Verschluß.


    Der Ledergürtel:

    Der typische Rusgürtel besteht aus einem zwei riemensystem. Das heißt, das der Gürtel neben dem üblichen Riemenende mit Zunge (hier Schmuckriemen), noch über einen Innenriemen verfügt, welcher durch die Schließe gezogen und somit der Gürtel verschlossen wird. Das eigentliche Gürtelende wird einmal um den Gürtel geschlagen und dient nur der Zierde. Je nach Vermögen verfügt der Gürtel über weitere Schmuckriemen, die an diversen Stellen am Gürtel angebracht werden können. Die Rusgürtel verfügen darüberhinaus noch über ein für die Rus typisches Stilelement, die Beschläge. Bei den Gürtelbeschlägen handelt es sich um Statussymbole, denn je höher der eigene Stand, desto mehr Beschläge befinden sich auf dem Gürtel. So reicht die Anzahl der Beschläge, von 10cm Abstand zwischen den Beschlägen, bis hin zu nur wenigen Millimetern zwischen den Beschlägen. Jeder Schmuckriemen ist auch komplett beschlagen und mit einer Gürtelzunge versehen. Die Rus trugen mehrere Gürtel zusammen, da jeder eine bestimmte Aufgabe erfüllte. So hingen an einem Gurt die Taschen und Beute und an einem weiteren die Waffen (z.b. die Shashka).


    Der Stoffgürtel:

    Der Stoffgürtel ist ein Stück Stoff (einem Schal ähnlich), meist aus Wolle (einfach) oder Seide (vermögend) welcher zum halten der Kleidung verwendet wird.


    Die Gürteltasche:

    Es gibt verschiedene Formen von Gürteltaschen und von Verschlußarten. Mögliche Formen sind quadratische und halbrunde Taschen. Als Verschluß dient entweder eine Zunge die am Deckel der Tasche befestigt ist und die man durch eine Schließe, welche am Boden der Tasche befestigt ist zieht, um die Tasche zuverschließen. Eine weitere Möglichkeit ist das auf der Außenseite (vorne) eine Schlaufe angebracht ist, welche man durch ein Loch in der Taschenklappe zieht. Durch diese Schlaufe, zieht man eine am oberen Ende der Tasche befestigte Zunge. Beiden Formen ist gemein das sie (ähnlich wie die Gürtel) mit Beschlägen versehen werden können um seinen Stand noch mehr zu betonen. Außerdem können die Ledertaschen auch in verschiedenen Farben vorkommen (vergleiche hierzu die Schuhe).


    Ich hoffe ich konnte euch einen Einblick in die Vielfalt der Kleidung der Rus ermöglichen und euch die landestypischen Stilelemente aufzeigen.

    Ich komme dennoch nicht umher hier auch eine Mahnung einzubringen, bitte überlegt euch gut welchen sozialen Stand ihr darstellen wollt und wählt dem entsprechend sorgfälltig die für euch passende Kleidung aus. Ich weiß wie verlockend all diese schönen Kleidungsstücke sind, aber bedenkt auch, wer einen voll beschlagenen Gürtel trägt, dessen restliche Gewandung muß auch entsprechend edel sein. Ein guter dargestellter Handwerker in der Rus kann erheblicher besser auf sein Umfeld wirken als ein halbfertiger Boyar oder ein total überladener Druzinik. Manchmal ist weniger mehr, denkt mal darüber nach. .-)



    e) Kleidung der Frauen

    Hier möchte ich versuchen ein kleinen Überblick über die Gewandung von Frauen in der Rus im 10. bis 12. jhrds zu gewähren.

    Zunächst muß erst einmal festgehalten werden, dass sich die Trachten der Rus regional stark unterschieden. In der nördlichen Rus, Region Staraya Ladoga und südlich bis etwa Novgorod, war die Kleidung stark von schwedischen Stilelementen beeinflußt. (hierzu möchte ich auf den Artikel über die Schweden verweisen). Südlich von Novgorod bis etwa Pereslawl verschwanden die schwedischen Elemente in der Kleidung zunehmend und wurden durch slawische Trachten ersetzt. Weiter südlich von Pereslawl über Chersones bis nach Preslaw wurden die slawischen Elemente mit byzantischen ergänzt. Dazu aber später mehr.


    Nördliche Rus ( Staraya Ladoga bis etwa Novgorod):

    Schürzen, Kleider, Mäntel, Schuhe nach schwedischen Vorbildern


    Mittlere Rus ( Novgorod, über Kiev bis nach Pereslawl am unteren Dnjepr):


    Landbevölkerung:

    - Kleider (Sorochka):

    Frauen trugen eine knöchellange Sorochka. Diese war gerade geschnitten ohne Keile. Das verwendete Material richtete sich nach dem sozialen Status der Frau. Als da wären, Wolle, ungebleichtes Leinen, gebleichtes Leinen, gefärbtes Leinen (beginnend bei dem einfachsten Material bis zum Edelsten).


    - Gürtel/Riemen:

    Die Frauen trugen auch immer einen Gürtel über der Sorochka. Dieser war je nach Vermögen entweder aus Hanf, Stoff oder Leder.


    - Lapti:

    Diese Schuhe waren aus Birkenrinde oder Bast geflochten, Lederhalbschuhe waren eher selten.


    - Schmuck:

    Wer es sich leisten konnte, trug Kupferarmbänder oder Ohrringe, teilweise ergänzt durch einen eingesetzten Stein oder eine Perle.


    Stadtbevölkerung:

    - Kleider (Sorochka):

    Frauen trugen eine knöchellange Sorochka. Diese war gerade geschnitten ohne Keile. Das verwendete Material richtete sich nach dem sozialen Status der Frau. Als da wären, Wolle, ungebleichtes Leinen, gebleichtes Leinen, gefärbtes Leinen, Seide oder Brokat (beginnend bei dem einfachsten Material bis zum Edelsten).


    - Überkleider (Raspashnoe):

    Diese Überkleider waren meist aus feinerem Gewebe und von bunter Farbe. Vom Schnitt her waren sie der Sorochka recht ähnlich, sie unterschieden sich darin das sie teilweise unten mit Keilen ausgestellt wurden oder vorne geschlitzt wurden. Es war je nach Jahreszeit und Vermögen durchaus auch üblich mehrere Raspashnoe übereinander zu tragen. Wenn dies getan wurde, waren die Überkleider so geschnitten, dass sie immer den Saum des unteren Kleides freiließen um ein schönes Farbenspiel zuermöglichen. Das verwendete Material richtete sich nach dem sozialen Status der Frau. Als da wären, Wolle, ungebleichtes Leinen, gebleichtes Leinen, gefärbtes Leinen, Seide oder Brokat (beginnend bei dem einfachsten Material bis zum Edelsten).


    - Gürtel:

    Die Gürtel waren in der Regel aus Leder (auch gefärbtes) oder aus Seide mit Leinen unterlegt.


    - Schuhe:

    Die Stadtbevölkerung trug eigentlich immer Lederschuhe, entweder Halbschuhe oder auch Halbstiefel (teilweise bunt gefärbt, z.b. grün, blau, gelb oder rot)


    - Schmuck:

    Es wurden Ketten, Halsringe, Fingerringe, Ohrringe und Armreifen getragen. Als Material, kamen Kupfer, Bronze, Silber oder Gold in Frage, ergänzt mit Glasperlen. Typische Muster waren Floralmuster. Eine weitere slawische Eigenart waren die Klapperanhänger. D.h. es waren Anhänger die mit Ketten versehen waren, damit sie ein klapperndes Geräusch von sich gaben. Dies sollte böse Geister fernhalten.


    Südliche Rus ( Pereslawl über Chersones bis nach Preslaw):


    Landbevölkerung:

    - Kleider (Sorochka):

    Frauen trugen eine knöchellange Sorochka. Diese war gerade geschnitten ohne Keile. Das verwendete Material richtete sich nach dem sozialen Status der Frau. Als da wären, Wolle, ungebleichtes Leinen, gebleichtes Leinen, gefärbtes Leinen (beginnend bei dem einfachsten Material bis zum Edelsten).


    - Gürtel/Riemen:

    Die Frauen trugen auch immer einen Gürtel über der Sorochka. Dieser war je nach Vermögen entweder aus Hanf, Stoff oder Leder.


    - Lapti:

    Diese Schuhe waren aus Birkenrinde oder Bast geflochten, Lederhalbschuhe waren eher selten.


    - Schmuck:

    Wer es sich leisten konnte, trug Kupferarmbänder oder Ohrringe, teilweise ergänzt durch einen eingesetzten Stein oder eine Perle.


    Stadtbevölkerung:

    - Kleider (Sorochka):

    Frauen trugen eine knöchellange Sorochka. Diese war gerade geschnitten ohne Keile. Das verwendete Material richtete sich nach dem sozialen Status der Frau. Als da wären, Wolle, ungebleichtes Leinen, gebleichtes Leinen, gefärbtes Leinen, Seide oder Brokat (beginnend bei dem einfachsten Material bis zum Edelsten).


    - Überkleider (Raspashnoe):

    Diese Überkleider waren meist aus feinerem Gewebe und von bunter Farbe. Vom Schnitt her waren sie der Sorochka recht ähnlich, sie unterschieden sich darin das sie teilweise unten mit Keilen ausgestellt wurden oder vorne geschlitzt wurden. Es war je nach Jahreszeit und Vermögen durchaus auch üblich mehrere Raspashnoe übereinander zu tragen. Wenn dies getan wurde, waren die Überkleider so geschnitten, dass sie immer den Saum des unteren Kleides freiließen um ein schönes Farbenspiel zuermöglichen. Das verwendete Material richtete sich nach dem sozialen Status der Frau. Als da wären, Wolle, ungebleichtes Leinen, gebleichtes Leinen, gefärbtes Leinen, Seide oder Brokat (beginnend bei dem einfachsten Material bis zum Edelsten).


    - Gürtel:

    Die Gürtel waren in der Regel aus Leder (auch gefärbtes) oder aus Seide mit Leinen unterlegt.


    - Schuhe:

    Die Stadtbevölkerung trug eigentlich immer Lederschuhe, entweder Halbschuhe oder auch Halbstiefel (teilweise bunt gefärbt, z.b. grün, blau, gelb oder rot)


    - Schmuck:

    Es wurden Ketten, Halsringe, Fingerringe, Ohrringe und Armreifen getragen. Als Material, kamen Kupfer, Bronze, Silber oder Gold in Frage, ergänzt mit Glasperlen. Typische Muster waren Floralmuster. Eine weitere slawische Eigenart waren die Klapperanhänger. D.h. es waren Anhänger die mit Ketten versehen waren, damit sie ein klapperndes Geräusch von sich gaben. Dies sollte böse Geister fernhalten. Ergänzt wurde dies durch chazarische (muslimische) oder byzantinische Schmuckstücke.


    Allgemein gilt:


    - Felle:

    Felle wurden sehr häufig verwendet, z.b. zum füttern der Kleidung oder aber auch als Statussymbol. Die unteren sozialen Schichten benutzten: Wolf, Fuchs, Bär, Hase oder Wild. Die höheren Ränge verwendeten außerdem, Bieber, Otter oder Zobel.


    - Farben der Kleidung:

    Die Kleidung der Rus war sehr bunt und wurde häufig (nach heutigen Gesichtspunkten gesehen) zu den unmöglichsten Kombinationen verwand. Mögliche Farben waren, blau, gelb, grün, rot, weiß, dunkelrot oder (für die absolute Oberschicht) purpur.


    - Glasperlen:

    Glasperlen wurden gerne getragen, waren aber sehr teuer. Besonders beliebt waren grüne Glasperlen. So schrieb Ibn Fadlan in seinem Reisebericht, das eine grüne Glasperle bis zu 15 Silbermünzen kostete.


    - Dekoration und Ornamentik:

    Bei den einfachen Ständen, war die Dekoration der Kleidung meist auf einfache geometrische Stickereien beschränkt oder aber einfach nur mit einem Zierstich am Saum der Kleidung versehen.

    Bei den vermögenderen Ständen, gab es manigfaltige Möglichkeiten die Kleidung zu verzieren. Dies ging von seidenbesetzter Kleidung, über aufwendige Stickereien (Floralmuster), eingewobenes Silber- oder Goldlan, bis hin zu aufgenähten Perlen oder Bernsteinstücken.


    - Haartracht:

    Russische Frauen, die nicht verheiratet waren, trugen ihr Haar meist offen oder zu Zöpfen geflochten, welche dann mit Koltis getragen wurden.

    Verheiratete Frauen trugen ihr Haar verdeckt unter einem Schleier und einem Kokoschnik.

    Eine verheiratete Frau die ohne angemessene Kopfbedeckung das Haus verließ, galt als unschicklich und "schmutzig". Es war ein Affron gegen ihren Mann und eine Beleidigung gegenüber den anderen Leuten.

    Wenn aber jemand einer verheirateten Frau ihren Kokoschnik herunterzog war dies eine Straftat welche gemäß der Russkaja Pravda (erstes russisches Gesetzbuch), mit bis zu 5 Peitschenhieben geahndet wurde. Damit war ein solches Vergehen höher angesiedelt als zum Beispiel eine Sachbeschädigung, die mit 3 Schlägen bestrafft wurde. Allgemein gilt für die Rus, eine Frau die ohne Kopfbedeckung unterwegs ist, vermittelt damit dem Betrachter das sie ungebunden und somit noch zu haben ist. Sollte eine verheiratete Frau ohne Kopfbedeckung unterwegs sein, steht es ihrem Ehemann nicht zu einen anderen Mann zuverfolgen, der sich für seine Frau "interessiert".


    - Kolti/Koltis:

    Koltis waren große, schwere Anhänger die wie übergroße Ohrringe anmuteten. Diese wurden von unverheirateten Frauen unten in ihre Zöpfe eingeflochten. Die Koltis waren meist reich verziert und schön anzusehen. Das war auch gut so, denn dazu dienten sie ja auch um die Blicke der Männer anzuziehen.


    - Kokoschnik:

    Der Kokoschnik war ein typisches Zeichen der verheirateten russischen Frau. Dabei handelte es sich um einen Schleier der das gesammte Haar bedeckte und der oben mit einen Schild gefasst wurde. Diese "Schilder" waren meist oval und reichlich verziert mit Stickereien oder besetzt mit Perlen.


    - Schläfenringe:

    Schläfenringe waren ein weiteres Zeichen für verheiratete Frauen. Die Anzahl der Schläfenringpaare zeigte dem Betrachter außerdem wieviele Kinder die Frau hatte. Das erste und größte Schläfenringpaar, stand dafür das die Trägerin verheiratet war, jedes weitere Paar stand für ein Kind. Die Größe der Schläfenringe wurde von Kind zu Kind immer kleiner.

    Es gab 2 mögliche Arten die Schläfenringe zutragen. Die erste Art die Schläfenringe zu tragen war, dass die Schläfenringe an einem Stirnband hinter einander getragen wurden. Es begann vorne mit dem größten Paar (für die Heirat) und dann kamen die Paare für die Kinder dahinter (immer kleiner werdend).


    Die zweite Möglichkeit war, das von dem Stirnband (auf Höhe der Schläfen) ein Band nach unten ging (je Seite eins). Das größte Paar war oben und die folgenden Paare für die Kinder folgten darunter (immer kleiner werdend).


    Beiden Arten war gemein, dass das Stirnband über einen Schleier oder zumindest ein Kopftuch getragen wurde, nie jedoch im offenen Haar.


    Das russische Schönheitsideal:

    Gemäß dem russischen Schönheitsideal sollte eine Frau großgewachsen sein, heiter in ihrem Gemüt und von geschmeidiger Bewegung. Sie sollte ihren Kopf stolz hoch halten aber ihre Augen bescheiden und demütig niederschlagen. Frauen sollten darüberhinaus rote wangen haben wie Mohnblumen, eine zarte Haut wie junger Schnee, glänzende Augen wie ein Falke in der Farbe wie die eines Zobels.

    Die Wesenszüge die man von Frauen erwartete, waren emotionale Selbstbeherrschung im Äußeren aber große Freizügigkeit gegenüber ihren Mann (Angaben gemäß Pushkareva).



    f) Waffen und Rüstung

    Nicht nur die Kultur und die Kleidung der Rus unterschied sie von ihren skandinavischen Nachbarn. Auch ihre Waffen und z.T. ihre Rüstungen unterschied sie von ihnen. Warem am Anfang die Waffen noch sehr ähnlich zu denen aus Skandinavien, veränderten sich diese, da sie sich den neuen Gegebenheiten anpassen mußten. Die neuen Feinde der Rus waren meist berittene Steppenvölker, so das sich die Ausrüstung der Rus auch hin zur Reiterei entwickeln mußte um der heran nahenden Reitervölkern Herr zu werden.

    So gab es in der Rus, neue Truppengattungen:


    1.) Schwere boyarische Panzerreiter:

    Ihre Ausrüstung war in etwa wie folgt:

    Wattierungen (meist aus mehreren Lagen Wolle oder auch aus Filz)

    Brünne (Kettenhemd) i.d.R. im 4 in 1 System (später auch bis hin zum 8 in 1)

    Volllamellenpanzer (Stahl ist belgbar, Leder wird vermutet). Volllamelle meint hierbei das die Rüstung die Brust, Rücken, Oberarm und Oberschenkel schützte.

    Helm + Brünne

    Typische Waffen der Reiterei waren der Säbel (Shashka), der Palasch, der Fokosch und der Bogen.

    Für die schwere boyarische Panzerreiterei kam noch der Stoßspeer dazu.

    Als schild dienten koncarve Rundschilde und ab dem späten 10. jhrd auch Mandelschilde.


    2.) Leichte Reiterei:

    Wattierungen (meist aus mehreren Lagen Wolle oder auch aus Filz)

    Brünne (Kettenhemd) i.d.R. im 4 in 1 System (später auch bis hin zum 8 in 1)

    Slawische Brustplatte (Lamelle)

    Typische Waffen der Reiterei waren der Säbel (Shashka), der Palasch, der Fokosch (Hammerkopf Axt) und der Bogen.

    Helm + Brünne ( teilweise auch ohne Brünne)

    Als Schild dienten koncarve Rundschilde und ab dem späten 10. jhrd auch Mandelschilde.


    3.) Berittene Bogenschützen:

    Wattierungen (meist aus mehreren Lagen Wolle oder auch aus Filz)

    selten auch Brünne (Kettenhemd) i.d.R. im 4 in 1 System (später auch bis hin zum 8 in 1) oder die Slawische Brustplatte (Lamelle)

    Helm (ohne Brünne)

    Typische Waffen der berittenen Schützen waren der Bogen, teilweise ergänzt durch den Säbel (Shashka).


    4.) Schwere Infantrie:

    Wattierungen (meist aus mehreren Lagen Wolle oder auch aus Filz)

    Brünne (Kettenhemd) i.d.R. im 4 in 1 System (später auch bis hin zum 8 in 1)

    Slawische Brustplatte (Lamelle)

    Typische Waffen der schweren Infanterie waren der Säbel (Shashka), der Palasch, der Speer, oder auch kleine Äxte (nicht zu verwechseln mit dem Fokosch), sowie der russischen Langaxt (ähnlich der Daneaxt, nur mit kleinerem Blatt) und der Bogen.

    Helm + Brünne ( teilweise auch ohne Brünne)

    Als Schild dienten konkave Rundschilde und ab dem späten 10. Jh. auch Mandelschilde.



    5.) Leichte Infanterie:

    Wattierungen (meist aus mehreren Lagen Wolle oder auch aus Filz)

    Typische Waffen der leichten Infantrie waren der speer, oder auch kleine Äxte (nicht zu verwechseln mit dem Fokosch).

    Selten mit Helm, meist nur Filzkappen, ggf mit Leder verstärkt.



    Nun wollen wir uns die Waffen- und Rüstungsgattungen im Einzelnen betrachten:


    Der Säbel (Shashka):


    Der Säbel war die Standart Einhandwaffe der Rustruppen. Er hatte eine Klingenlänge zwischen 75 und 97,5 cm bei einem Gewicht zwischen 800 und 950 Gramm. Dem Säbel fehlte der Knauf (Pommel) des Schwertes und somit das Gegengewicht am Ende der Waffe. Dies macht den Säbel zu einer kopflastigen Waffe, was ihn gerade für den Einsatz in der Reiterei anbot.


    Das Schwert:


    Das Schwert war eine Waffe, die i.d.R. von der sozialen Oberschicht verwand wurde. Dies liegt darin begründet, dass der russische Stahl recht spröde war und sich damit nur suboptimal zum Schmieden von zweischneidigen Klingen anbot. Die meisten Schwertfunde in der Rus stammen aus byzantinischer und fränkischer Fertigung. Die Standartlänge der Klinge lag zwischen 75 und 80 cm, bei einem Gewicht von etwa 950 - 1100 Gramm.


    Der Palasch (russischer Streitkolben):


    Der Pallasch bestand aus einem Holzschaft von etwa 80 cm Länge und einem Bronzekopf. Jener varierte in seiner Form, von einer runden Kugel über Kugeln mit Furchen bis hin zu mit Spitzen ausgeformten quadratischen Stücken. Der Kopf hatte ein Gewicht von etwa 300 bis 550 Gramm.


    Der Fokosch (Hammerkopf Axt):


    Der Fokosch war eine primäre Reiterwaffe. Er zeichnete sich durch seine besondere Form aus, so dass er am Axtkopf (Blatt auf der einen Seite), auf der gegenüberliegenden Seite in einem Hammer auslief. Geschäftet war er meist auf einem 60 bis 80 cm langen Holzschaft. Das Gewicht des Kopfes kann man mit etwa 500 Gramm angeben.


    Der Stoßspeer:


    Der Stoßspeer, war eine Waffe die meist der schweren Reiterei zugeordnet wird. Es gab mannigfaltige Ausprägungen in Form und Länge. Die Blattlänge lag zwischen 25 und 55 cm und war teilweise mit Flügeln ergänzt (Flügellanze). Dieses Blatt war auf einem etwa 220 bis 250 cm langen Holzschaft aufgepflanzt.


    Der Speer:


    Der Speer war eine Waffe die häufig bei der leichten Infanterie anzutreffen war, da eine solche Waffe günstig herzustellen war und auch in anderen Lebensbereichen Anwendung fand. Beim Speer ist die Blattlänge mit etwa 25 bis 35 cm länge anzugeben. Die Schaftlänge lag bei etwa 180 bis 200 cm.


    Kleine russische Streitaxt:


    Die russischen Streitäxte, waren deutlich kleiner als ihre skandinavischen Ausprägungen. Sie hatten häufig eine Blattlänge von 7 bis 12 cm bei einem gewicht zwischen 150 und 300 Gramm, dieses Blatt wurde auf eine Länge von 60 bis 80 cm aufgeschäftet. Dies ergab eine leichte, schnelle, aber nichtsdestotrotz tödliche Waffe.


    Russische Langaxt:


    Die russische Langaxt, hatte eine Schaftlänge von 175 bis 220 cm. Das Axtblatt (meist Helmdachaxt vergl. hierzu baltische Funde), war deutlich kleiner als ihr dänisches Pendant und bei weiten nicht so wuchtig. Dies lag darin begründet, dass sie nicht durch schwere Panzer des Feindes schlagen musste. Die Blattlänge lag in der Regel bei etwa 15 - 20 cm und einem Gewicht von 350 - 700 Gramm.


    Der Bogen:


    Bei den Bögen der Rus handelte es sich um Reiterbögen (siehe hierzu Reflexbögen) mit einer Schußkraft von 35 - 75 lbs. Die in skandinavischen Regionen oft verwandten Langbögen kamen in der Rus so gut wie gar nicht vor. Da diese nur suboptimal zu Reiterbögen taugten.



    Jetzt schauen wir uns die Rüstungsvarianten an:


    Die "Wattierung":


    Die Wattierungen (nicht Gambesson, diese kamen erst ab der Mitte des 11.jhrds auf), waren meist aus mehreren Lagen Wolle oder Filz gefertigt. Sie reichten als Schutz vor leichten Schnitten und Stößen, waren aber nur gering geeignet um vor Beschuss zu schützen. Darum wurden die Wattierungen, von den besseren Truppengattungen durch verschiedene Rüstungsteile ergänzt.


    Die Brünne oder auch als Kettenhemd bekannt:


    Die Brünne war normalerweise im Flechtmuster 4 in 1 gewoben. 6 in 1 oder 8 in 1 kamen erst im 13. jhrd auf. Sie waren meist Oberarmlang und gingen bis zur Mitte der Oberschenkel und wurden mit dem Gürtel gerafft. Diese kurzen Brünnen hatten keine Schlitze am unteren Saum.

    Ab dem 11. jhrd wurden die Brünnen der Reiterei, etwas länger (bis zu den Knien) und gingen über den kompletten Arm bis zum Handgelenk. Diese Reitereiausführung wurde aus Gründen der Zweckmäßigkeit unten mit je einem Schlitz vorne und hinten versehen.


    Die slawische Brustplatte:


    Dabei handelt es sich um einen Brustschild aus Lamellen, welcher mit Lederriemen über Riemenverteiler am Rücken geschlossen wurde. Sehr beliebt bei der leichten Reiterei und der schweren Infantrie.


    Volllamelle:


    Bei einer Volllamelle handelt es sich um eine Lamellenrüstung die mit Brust- und Rückenschild ausgestattet ist und darüber hinaus über Oberarm- und Oberschenkelkacheln verfügt. Als Standartform der Lamellen in der Rus betrachtet man die D-Form mit 8 Löchern zum Binden. Die Art der Bindung zeigt dem Betrachter auch die Truppengattung. Ist die Rundung nach oben handelt es sich um einen Reiterpanzer, ist sie jedoch nach unten ist es ein Infanteriepanzer. Möchte man einen historisch belegbaren Lamellar tragen bleibt nur die Variante aus Stahl. Die häufig verwendeteten Lederlamellen, sind zwar leichter und vom Schutz her vollkommen ausreichend, sind aber nicht zu belegen. Dies ist aber nur relevant wenn man eine belegbare Ausrüstung möchte, sollte dies nicht so wichtig sein, ist die Lederlamelle eine gute Alternative.


    Helm:


    Es gibt über 50 Helmfunde in der Rus, die sich von Jahrhundert zu Jahrhundert stark veränderten. Hier möchte ich auf das 10.jhrd eingehen. Die Rushelme sind üblicherweise konisch, spitz nach oben zulaufend und mit einer Tülle versehen. In die Tülle können Rosshaar oder Federn gesteckt werden. Häufig sieht man "Rus" mit Rosshaar im Helm (was sicher gut aussieht), aber leider nicht belegbar ist und eine reine moderne Stilinterpretation darstellt. Es gibt zwar Funde wo Rosshaar in Gräbern gefunden wurde, jedoch muss man dabei die Lage der einzelnen Stücke betrachten. Der Helm lag neben dem Kopf, das Rosshaar jedoch zu den Füßen des Körpers. Somit ist die Rosshaarthese als überholt zu betrachten. Hingegen weisen byzantinische Abbildungen auf Federn in den Tüllen hin. Also gilt auch hier, wer es historisch korrekt möchte sollte auf Federn zurückgreifen. Eine andere Möglichkeit des Helmabschlusses ist neben der Tülle, ein Ring oder auch eine Spitze. Die Helme der Rus im 10.jhrd gab es mit Nasal aber auch ohne. Brillenhelme sind für die Rus erst im sehr späten 12.jhrd zu belegen. Diese Brillenhelme hatten im Gegensatz zu ihren nordischen Verwandten meist noch ein zusätzlich langes Nasal angebracht, dass teilweise bis zum Kinn ging. Alle Helme gab es mit Kettenbrünne aber auch ohne. Die Brünnen gab es: als Nackenschutz, zum einhängen am Nasal, komplett befestigt am Nasal oder als Vollbrünne rund um den Kopf. Die Länge der Brünnen fiel unterschiedlich aus, so gibt es Varianten die bis über die Schultern fallen, aber ebenso auch solche die etwa den "Tunikaausschnitt" abdecken.

    Häufig werden Rushelme zum Verkauf angeboten, solche wie sie gewiss schon jeder gesehen hat. Mit Messingtülle, Messingapplikationen und Nasal zum einhängen der Brünne. Leider muss man sagen das dieser Helm kein Rushelm ist, sondern ein westslawischer Reiterhelm aus Großpolen im 10.jhrd.

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